Berlin : Mit kaputter Bremse auf Klassenfahrt

Aufmerksame Mutter schlug Alarm: Bus mit schweren Mängeln aus dem Verkehr gezogen. Polizei bietet kostenlose Überprüfung an

Cay Dobberke

Mit kaputten Bremsen, durchgerostetem Unterboden und weiteren Mängeln ist ein Reisebus vor der Klassenfahrt einer Tegeler Grundschule aus dem Verkehr gezogen worden. Eine besorgte Mutter hatte die Polizei alarmiert, weil ihr der ungepflegte Zustand des 21 Jahre alten Busses aufgefallen war. „Es sind immer mehr alte Fahrzeuge in Betrieb“, sagt Heino Engelhardt vom Zentralen Verkehrsdienst der Polizei. Die Sicherheit leide unter den wirtschaftlichen Problemen vieler Firmen. Bei Kontrollen in Berlin wird im Durchschnitt jeder zwölfte Bus wegen technischer Mängel beanstandet.

Für einen Ausflug in die Schorfheide hatte die Grundschule Am Tegelschen Ort im Gerlindeweg ein Ein-Mann-Unternehmen ausgewählt: Der 50-jährige Fahrer ist auch Eigentümer des Busses. Bisher war die Firma nicht negativ aufgefallen. Doch die Mängel, die zuerst ein Polizeibeamter am Montagnachmittag feststellte, wurden später auch vom TÜV als „erheblich“ eingestuft. Der Bus hätte „nur noch bis zur nächsten Werkstatt fahren dürfen“, hieß es am Dienstag.

Die undichte Bremsanlage verlor schon im Stand zu viel Luft. Dazu kamen der verrostete Unterboden sowie fehlende Nothämmer und Notausgangs-Markierungen. Der Fahrer hatte auch seine Genehmigung zur Personenbeförderung nicht dabei. Er muss mit Bußgeldern und Kosten von etwa 1200 Euro rechnen. Polizeiexperten vermuten, dass der Bus mehr als eine Million Kilometer zurückgelegt hat. Der Tacho zeigt 218 000 Kilometer an, wurde aber wohl ausgetauscht. Unklar ist noch, warum die Mängel nicht bei den vierteljährlichen Untersuchungen auffielen, die für Busse vorgeschrieben sind.

Die 60 Schüler konnten später mit einem Bus einer anderen Firma losfahren. Auch dessen Fahrer bekam jedoch Ärger, weil die Notausgänge nicht gekennzeichnet waren.

Der erste Bus wäre auch ohne die aufmerksame Mutter gestoppt worden. Die Schule hatte ohnehin um eine Routinekontrolle gebeten. Der Zentrale Verkehrsdienst wirbt seit Januar für kostenlose Überprüfungen vor Schulreisen. Die Bezirks-Elternausschüsse wurden schriftlich von dem Angebot informiert. Bisher gab es 16 Kontrollen mit drei „leichteren“ Beanstandungen.

Bei anderen Kontrollen wurden im Vorjahr 73 von 914 Bussen beanstandet – meist wegen kleinerer technischer Mängel. Dazu kommen weitere Gefahren: Im September stoppten Beamte einen Busfahrer, der mit 1,28 Promille Alkohol im Blut eine Kitagruppe befördern wollte. Oft werden die zulässigen Lenkzeiten überschritten. 2002 verhängte das Landesamt für Arbeitsschutz deshalb Bußgelder in einer Gesamthöhe von 400 000 Euro. Ein einzelner Fahrer darf an einem Tag höchstens neun Stunden am Steuer sitzen, zwei Mal pro Woche allerdings auch zehn Stunden. Nach viereinhalb Stunden muss er für 45 Minuten pausieren. Die Behörde überprüft Tachoscheiben vor allem am Alexanderplatz und am Charlottenburger Busbahnhof. Sprecher Robert Rath sieht einen Zusammenhang zwischen Dumping-Reiseangeboten und der Zahl der Probleme: „Wer nur auf den Preis guckt, nimmt Gefahren in Kauf.“

Bus-Kontrollen für Schulreisen können unter Telefon: 4664 34 221 vereinbart werden. E-Mail: zvkd-sond@polizei.berlin.de

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