Berlin : Mit Klauen und Zähnen

Das Musicalgeschäft in Deutschland ist hart – darum kooperierten jetzt die Konkurrenten

Frederik Hanssen

Die „Cats“ verlassen Berlin – weit allerdings kommen sie nicht. Denn schon ab April wird der Dauerbrenner in Düsseldorf gezeigt. Obwohl in den vergangenen 17 Jahren allein in Deutschland sieben Millionen Menschen die Show gesehen haben, standen die Kartentelefone nicht still, kaum dass die Nachricht vom „Cats“-Gastspiel herausgekommen war.

Erstmalig arbeiten dabei der Marktführer, die mächtige Stage Holding, mit der Nummer zwei, der Capitol Event GmbH Düsseldorf zusammen. Die Düsseldorfer haben nach dem Zusammenbruch des „Stella“-Imperiums den Bochumer „Starlightexpress“ übernommen, der weiterhin auf der Erfolgsschiene rollt. Im Kölner Musical Dome zeigen sie zudem bis April „Jekyll & Hyde“. Am Stammhaus, dem Capitol-Theater, ist gerade als Eigenproduktion „Das Mädchen Rosemarie“ herausgekommen. Das Wirtschaftswunder-Musical erzählt vom Leben und Sterben der Nitribit. Im zweiten Saal des Hauses dagegen verabschieden sich heute die „Miami Nights“. Sie wandern nach Wien – und machen damit Platz für „Cats“. Rechnet man Elton Johns auch für Opernfans interessante „Aida“-Version in Essen hinzu, und das Fußball-Musical zum 100. Geburtstag von Schalke 04, das im Mai in Gelsenkirchen uraufgeführt wird, hat Nordrhein-Westfalen in Sachen Musical ganz schön aufgeholt.

Dennoch bleibt Hamburg wohl auf absehbare Zeit die Musical-Hauptstadt. Hier hat der Deutschland-Ableger der holländischen „Stage Holding“ seine Zentrale. Hier gibt es vor allem drei attraktive Spielstätten im Zentrum. Man muss also nicht weit raus fahren, wie in Stuttgart, wo die beiden Musicaltheater im Flughafengebiet liegen. Zudem ist der Hamburger „König der Löwen“ eine höchst attraktive Produktion. Ebenso wie „Mamma mia“, die quicklebendige Komödie über 1968 und die Folgen, die nichts mit jenen Abba-Hitparaden zu tun hat, die im Fahrwasser des Hamburger Erfolgs derzeit durch die Lande tingeln. Leider musste wegen mangelnden Publikumszuspruchs die musikalisch höchst anspruchsvolle „Titanic“-Version in der Neuen Flora inzwischen abgesetzt werden. Daraufhin ging man auf Nummer sicher – und holte den schon in Wien und Stuttgart erfolgreichen „Tanz der Vampire“.

Die Berliner haben da mehr Glück: Sie bekommen als „Cats“-Nachfolger nicht irgendein Second-Hand-Produkt aus dem Reisekader der Stage Holding weitergereicht – sondern etwas ganz Neues: Die „Blue Men Group“, direkt aus dem Unterhaltungsparadies von Las Vegas. Gesungen wird hier aber nicht.

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