Berlin : Mit Liebe, Ironie und Berliner Dialekt

Marianne Rosenberg singt Lovesongs mit Christian Schodos

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Die Scheiben sind schmutzig, die Tür quietscht beim Öffnen. Die Flure sind verlassen, ehemalige Büros stehen offen und verlassen, Teppichfliesen lösen sich vom Boden, Tapeten rollen sich von den Wänden – die ehemaligen Baracken der USArmee in Lichterfelde sind alles andere als ein heimeliger Ort. Wenn man schon auf dem Absatz kehrt machen will, dringt plötzlich eine Stimme aus dem Keller, sehr bekannt. „Let’s fall in love“ singt sie. Noch eine Tür geht schließlich auf, diesmal ohne zu quietschen, und da steht sie am Mikrofon, zusammen mit ihrem Sangespartner, und haucht Liebeslieder. Marianne Rosenberg probt im Souterrain der verlassenen Gebäude normalerweise mit ihrer Band. Jetzt ist sie zusammen mit dem Schauspieler und Sänger Christian Schodos hier, gebürtiger Berliner wie sie, und beide proben für ihren gemeinsamen Liederabend „Cocktails for two“ mit Lovesongs überwiegend aus den 30er und 40er Jahren.

Das Besondere daran: Vier Titel des überwiegend englischsprachigen Programms hat Marianne Rosenberg selber ins Berlinische übertragen. „Im Berlinischen kriegen die Texte eine zweite Ebene“, sagt sie, „da schwingt Ironie mit.“ Und überhaupt, sagte sie, sei die Sprache wunderbar geeignet für Musik zwischen Jazz und Soul. „Der Berliner steht von sich aus immer ein bisschen neben sich selbst und beobachtet sich dabei“, erklärt der Berliner Christian Schodos den Berliner und dessen Hang zur Selbstironie. Es darf also gelacht werden.

Kennen gelernt haben sie sich bei dem glücklosen Weill-Musical „Die Venus“, das schon bald nach der Premiere von der Bildfläche verschwand. Und irgendwann entdeckten die beiden, dass sie parallel mit der gleichen Musik experimentierten. Sie taten sich zusammen, das Ergebnis ist ab heute in der Bar jeder Vernunft zu sehen. oew

„Cocktails for two“ in der Bar jeder Vernunft in der Schaperstraße bis 16. März, sowie vom 2. bis 6. April und am 2. und 3. Mai. Telefon: 883 15 82 .

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