Berlin : „Mit maskierten Gesichtern riefen sie sich türkische Befehle zu“

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GAZETELER RÜCKBLICK

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Am 2. Mai war in den türkischen Zeitungen lediglich von einem „ereignisreichen Ersten Mai“ die Rede. Aufgrund des frühen Redaktionsschlusses erschien in den Blättern zunächst ein allgemeiner Text mit Bildern aus Deutschland und Frankreich. Erst am 3. Mai erschien die Bilanz der „Ereignisse“ in Berlin – der traditionellen Krawalle in Kreuzberg und Prenzlauer Berg. „Hohe Erste-Mai-Rechnung“, titelte die Tageszeitung Milliyet und zeigte ein Foto, auf dem der gebrochene rechte Fuß ihrer Berlin-Reporterin, Çigdem Bagriaçik, gerade in Gips gelegt wurde. Und auch die Konkurrenz, die Tageszeitung Türkiye, zeigte ein Foto von der Verletzten, die nah am Geschehen ein Stein am Fuß abbekommen hat. Über die Demonstranten in Kreuzberg schrieb der Türkiye-Reporter: „Mit maskierten Gesichtern riefen sie sich auf Türkisch Befehle zu und die Steine von hunderten von türkischen, arabischen und deutschen Demonstranten trafen auch Reporter, die lediglich ihren Dienst ausübten.“ Ein Stein sei knapp am Türkiye-Reporter vorbeigeflogen und habe den Fuß der „Mutter von zwei Kindern“ getroffen. „Sie verbrannten die Jalousien eines Supermarktes mit Molotow-Cocktails. (…) Unterdessen strömten auch türkische Jugendliche in das Geschäft, was besonders beschämend war“, hieß es außerdem. Und auch die Boulevardzeitung Hürriyet berichtete von dem „Inferno in Berlin mit 120 Verletzten.“ „Auch Türken festgenommen!“, hieß es in den rot-gelben Sternchen neben der Überschrift, die für Exklusivmeldungen reserviert sind.

Die Türken machten die Krawalle in Berlin jedenfalls zu einer wichtigen Nachricht. Auch sämtliche türkischen Fernsehsender, die in Deutschland über Satellit empfangen werden können, berichteten über die Kreuzberger Krawalle und vermeldeten, dass dabei auch Türken mitgemacht haben. Die Pressestelle der Berliner Polizei wollte jedoch nicht bestätigen, dass unter den Festgenommenen auch türkische Steinewerfer sind. „Die Nationalität der Festgenommenen wird nicht veröffentlicht“, sagte am Freitag ein Sprecher. Suzan Gülfirat

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