Berlin : Mit Metro-Buslinien schneller durch die City

BVG will Streckennetz zum Dezember radikal umstellen und damit neue Kunden gewinnen. Angebot am Stadtrand wird dafür ausgedünnt

Rainer W. During

Die Berliner Verkehrsbetriebe wollen ihr Angebot zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember grundlegend umgestalten. Kern des Verkehrskonzeptes „BVG 2005 plus“, das Vorstandschef Andreas Graf von Arnim gestern vorstellte, sind 40 bis 50 neue so genannte Metro-Bus- und -Tramlinien. Sie werden in Ergänzung zum Schnellbahnnetz mindestens 20 Stunden am Tag wichtige, gradlinige Verkehrsachsen in kurzem Zeitabstand bedienen. Die dann noch 120 Ergänzungs-Buslinien zur Erschließung der Quartiere werden dafür ausgedünnt und überwiegend nur noch im 20-Minuten-Abstand verkehren. Erhalten bleiben etwa fünf klassische Tramlinien und rund zehn der gegenwärtig zwölf Expressbusse.

Vorangegangen ist die nach Angaben von Marketingchef Tom Reinhold größte Bedarfsanalyse in der Geschichte der BVG. Danach lassen sich zusätzliche Fahrgäste nur dann gewinnen, wenn das Angebot für bisherige Autofahrer optimiert wird. Entscheidende Bedeutung hat die Schnelligkeit der Verbindung. Sicherheit, Sauberkeit und Komfort spielten dagegen für die befragten Stammkunden eher eine untergeordnete Rolle. Mit dem Konzept „BVG 2005 plus“ werde das Verkehrsangebot erstmals seit zehn Jahren komplett den veränderten Verkehrsbedürfnissen angepasst, sagte Graf von Arnim. Dabei stehe die Kundenorientierung im Vordergrund. Einen „kleineren, einstelligen Millionenbetrag“ lässt man sich eine Marketingkampagne kosten. Ab Montag können die Bürger zunächst in den westlichen und südwestlichen Stadtbezirken ihre Meinung zu verschiedenen Streckenalternativen äußern. Geplant sind Befragungen, Roadshows, Ausstellungen, Infomobile sowie Diskussionen mit Fahrgastverbänden. Auch im Internet (www.bvg.de) können sich Berliner ab nächster Woche über die in ihrem Ortsteil geplanten Veränderungen informieren und an der Neugestaltung beteiligen. Die endgültigen Routen der 20 bis 30 Metrobusse und 15 bis 20 Metro-Tramlinien werden bis zum Sommer festgelegt.

Das Modell habe sich bereits andernorts bewährt. In London heißt es „BusPlus“. Den Hamburger Verkehrsbetrieben haben die 2001 eingeführten Metrobusse sechs Prozent mehr Fahrgäste gebracht. Und in München gehen ebenfalls zum Jahresende „Top-Busse“ an den Start. In Berlin soll so das besonders für Gelegenheitsnutzer schwer überschaubare Bus- und Tramnetz in seinem Kern so verständlich wie die Routenführung von U- und S-Bahn werden. Abseits der Hauptstrecken muss dagegen mit „geringfügigen“ Reduzierungen der Betriebsleistung gerechnet werden, räumte Tom Reinhold ein. Es sei nicht notwendig, dass teilweise drei verschiedene Linien in einem Radius von 300 Metern verkehren. Angedacht ist auch, kaum frequentierte Strecken zu bestimmten Zeiten nicht oder nur in flexibler Form zu bedienen. „Wir wollen die Mobilität der Berliner nicht einschränken, sondern nachfrageorientiert unterstützen“, sagte Graf von Arnim. Durch die Optimierung der Fahrstrecken und rund drei Prozent mehr Kunden – das sind knapp 27 Millionen Fahrgäste im Jahr – verspricht sich das Verkehrsunternehmen eine deutliche Verbesserung der Ertragslage.

Der Fahrgastverband IGEB diskutiert am 29. April um 19 Uhr im Fahrgastzentrum S-Bahnhof Jannowitzbrücke mit BVG-Vertretern über das neue Bus-Konzept.

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