• Mit Mut das Leben meistern – unsere Leser helfen dabei Große Resonanz auf Tagesspiegel-Spendenaktion zugunsten von 42 Projekten.

Berlin : Mit Mut das Leben meistern – unsere Leser helfen dabei Große Resonanz auf Tagesspiegel-Spendenaktion zugunsten von 42 Projekten.

Auch die Obdachloseneinrichtung am Ostbahnhof braucht Geld

Annette Kögel

Der Blick aufs Konto unserer Aktion „Menschen helfen!“ macht stolz: Bis Weihnachten haben Sie, liebe Leser, sogar etwas mehr gespendet als bei der vergangenen Winterhilfe: 72 595,07 Euro. Das Konto bleibt bis März geöffnet, denn unsere Leser zeigen sich auch noch lange nach den Feiertagen großzügig. Und sie engagieren sich persönlich, riefen an, spendeten Fahrräder und Spielsachen.

Wie Carola Doering. Sie packte mit der Klasse 3b ihres Sohnes Päckchen für die Kinder im Interkulturellen Frauenhaus. Unternehmer und Förderer Hans Wall lud wie vergangenes Jahr die Kinderkrankenschwestern vom Externen Pflegedienst zum Essen ein. Bärbel Schilbach von der gleichnamigen Confiserie im Quartier 205 brachte einen Riesen-Schokoweihnachtsmann zur Kita der Lebenshilfe für geistig Behinderte. Auch ihnen sei Dank. Insgesamt fördert der Tagesspiegel dieses Jahr 42 Institutionen – so viele wie nie. Eine davon ist die Obdachloseneinrichtung „Mut“, die stellvertretend steht für viele weitere Projekte.

Es ist voll im Flur, wo alle warten. Auch Florian sitzt hier, seine Heroinsucht sieht man ihm nicht an. Der junge Mann ist zuvorkommend, antwortet fließend und höflich. Und doch kommt der 33-Jährige mit dem Leben nicht zurecht. „Dabei war ich schon 20 Monate clean.“ Doch es zog ihn wieder hinein in den Strudel der Abhängigkeit. „Nun ist mein Immunsystem geschwächt“, sagt der gelernte Kfz-Mechaniker. Ein Abszess macht ihm zu schaffen, den Verband muss er täglich wechseln. Gut, dass es die Obdachloseneinrichtung der gemeinnützigen Gesellschaft „Mut“ gegenüber dem Ostbahnhof gibt. Am Stralauer Platz 32 können Obdachlose gratis zum Arzt und Zahnarzt gehen, etwas essen und sich in der Dusche frisch machen.

Möglich ist das dank vieler Ehrenamtlicher, dank der Unterstützung von Senat, Bezirken, Kassenärztlicher Vereinigung, der Liga der Wohlfahrtsverbände. „Doch bei allem, was über Honorare und Gehalt hinausgeht, sind wir allein von Spenden abhängig – von Möbeln bis zu Verbandsmaterial“, sagt Koordinatorin Angelika Patkovszky. Da wird es eng, gerade jetzt, im Winter. Viele Obdachlose haben Hauterkrankungen, schlechte Zähne, krankenversichert sind sie meist nicht. Medikamente müssen zugekauft werden, Verbrauchsmaterial ist schnell alle.

„Mut“ konnte auch schon mal Prominente als Unterstützer gewinnen. Wie Udo Walz, der beim Umzug der seit über zehn Jahren bestehenden Gesellschaft selbst zum Pinsel griff, sagt Geschäftsführerin Helga Schick. Bei „Mut“ finden es manche schade, dass in Berlin oft die Obdachlosenärztin Jenny De la Torre im Mittelpunkt stehe – auch sie arbeitete früher in dieser Praxis. Es gebe so viele andere gute Seelen, wie Zahnärztin Kerstin Falk, die seit Jahren dienstags von 11 bis 13 Uhr Obdachlose behandelt. Ehrenamtlich. Auch Schwester Kerstin, sie ist bei „Mut“ beschäftigt, engagiert sich weit mehr als sie eigentlich müsste. „Naja, ich habe auch schon den ein oder anderen Heiratsantrag oder Rosenstrauß als Dank bekommen“, sagt sie lächelnd.

Jetzt bittet Schwester Kerstin Florian herein, Dr. Uljan Zöba wartet schon. Noch eine Frage bitte, Florian. Haben Sie sich eigentlich aufgegeben? „Nein, keineswegs“, sagt der 33-Jährige. Er will im Leben noch jede Menge Mut aufbringen.

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