Berlin : Mit Pauken und Trompeten

Der Dirigent Gerd Albrecht plant ein Instrumentenmuseum zum Anfassen

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Große Pläne wurden gestern im Tempodrom vorgestellt - aber damit sie in Erfüllung gehen, muss noch viel geschehen. Der Dirigent Gerd Albrecht möchte in Berlin ein „Klingendes Museum“ gründen. Hier sollen Kinder an die Musik herangeführt werden, indem sie Instrumente anfassen, auf ihnen spielen und Krach machen können. Die Schirmherrin für das Vorhaben ist Nena, und Richard von Weizsäcker ist das erste Mitglied des Fördervereins.

Ein ähnliches Projekt hatte Albrecht 1989 in Hamburg auf die Beine gestellt, als er Generalmusikdirektor der dortigen Staatsoper war. Berlin liegt ihm am Herzen, weil er hier aufgewachsen ist und dann von 1972 bis 1977 Chefdirigent an der Deutschen Oper war. Den Anstoß für sein Engagement gab ein Schlüsselerlebnis: Als Fünfjähriger hatte er tüchtig auf den Gong in der Preußischen Musiksammlung gehauen und wurde so ausgeschimpft, dass er in Tränen ausbrach.

Das Berliner Museum soll 2004 eröffnet werden. Bis jetzt gibt es allerdings noch nicht einmal feste Räume. „Wir sind in Gesprächen“, sagt Florian Timm, der Vorsitzende des Fördervereins „Das klingende Museum in Berlin e.V.“. Immerhin weiß er, wie der Ort beschaffen sein sollte: Sechs bis acht einigermaßen schalldichte Räume werden benötigt, damit die Kinder überall gleichzeitig Krach machen können.

Auch die Finanzierung ist noch Schall und Rauch. Die Förderer des Museums veranstalteten die Pressekonferenz vor allem, um die Werbetrommel für ihr Projekt zu rühren: Sie bräuchten nicht nur Räume, sondern auch Geld. Zwei Millionen Euro soll die Errichtung des Museums kosten.

Bislang sind 3140 Euro zusammengekommen. Timm sagte, dass er bis zum Ende des Jahres mit Spenden von insgesamt „niedrigen sechsstelligen Euro-Beträgen“ rechnet. Erstens seien sie zugesagt, zweitens habe man in der vergangenen Woche den Status der Gemeinnützigkeit erlangt. Außerdem will der Verein mit Benefizveranstaltungen Geld sammeln. Die erste findet am 1. September um 15 Uhr im Tempodrom statt: Da spielt das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin die „Moldau“ von Smetana, dirigiert und erklärt von Gerd Albrecht. Eintritt: sieben Euro pro Kind bis 12 Jahren, ein Erwachsener darf umsonst mit. Ab sechs Jahren sei so ein Konzert für Kinder geeignet, sagt Albrecht. Die Jüngeren jedoch hatten schon einmal ihren Spaß nach der Pressekonferenz. Da nämlich durften sie mit Instrumenten spielen, die die Museumsförderer für sie aufgebaut hatten. Und die vierfache Mutter Nena zeigte den Kindern, wie man Saxophon spielt. Der Hit war allerdings das Alphorn: Je größer und lauter, desto besser. Ulrike Heitmüller

Weitere Informationen unter: www.klingendes-museum-berlin.de

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