Berlin : Mit Pickelhaube zum Sieg

Niemand duckt sich besser: Bei der Weltmeisterschaft im Völkerball zählen die Preußen zu den Favoriten Am Sonntag ist am Oststrand Finale – aber die Hauptsache ist der Spaß

Matthias Jekosch

„Besetzt die Außen“, schreit Konstantin seine Mitspieler an. Nein, das ist kein Fußballspiel, auch wenn es sich so anhört. Hier rennen die Spieler nicht dem Ball hinterher. Im Gegenteil: Sie weichen ihm aus. Sie haben richtig Angst vor dem Ding. Liebhaber abseitiger Sportarten wissen sofort: Es ist wieder Völkerballzeit am Oststrand.

Völkerball? Das ist doch der Sport aus der Schule, den die Mädchen nie mochten, weil der Ball so hart war. Bei der „Weltmeisterschaft“ am Spreeufer, direkt hinter der East-Side-Gallery, spielen die Mädchen gerne mit, denn der Ball ist aus weichem Schaumstoff. Der Name des Spiels wird am Oststrand übrigens wörtlich genommen: Antreten dürfen nur Völker. Oder Mannschaften, die sich als solche fühlen. Ansonsten läuft alles wie in der Schule: Zwei Mannschaften stehen sich gegenüber, wer vom Ball getroffen wird und ihn nicht fangen kann, muss nach draußen. Solange, bis von einem Team niemand mehr übrig ist.

Schneidig treten die Preußen auf. Der „große Kurfürst“ Nils stimmt die Mannen noch ein: „Immer schön auf die Beine werfen.“ Dann stürmen sie mit Plastik-Pickelhaube und angeklebtem Schnauzbart zur Melodie von „Preußens Gloria“ auf den Platz. Max Schumacher ist begeistert: „Das ist besser als Theater“, sagt der Veranstalter, der eigentlich Theaterregisseur ist und sich etwas Schauspielerei durchaus wünscht. Zur Show gehören passende Trikots. Die Schweden treten in Gelb an, das ist logisch. Die Amerikaner spielen in Camouflage-Grün, das ist Selbstironie. Die meisten Spieler leben schon seit Ewigkeiten in Berlin, aber irgendeinen schwedischen oder amerikanischen Hintergrund können sie auf Nachfrage alle vorweisen. Und dann gibt es noch das Team des Stadtmagazins „Zitty“. Auch die Journalisten fühlen sich als eigenes Volk, irgendwie, zumindest bis Sonntag. Dann ist nämlich Finale. Gespielt wird jeden Tag ab 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Die Preußen zählen zum Favoritenkreis. Noch ein Sieg gegen Zitty, dann winkt das Finale. Konstantin – Spitzname „Alter Fritz“ – bringt seine Mitspieler mit militärischen Parolen in Stimmung. Das wirkt schon deshalb komisch, weil Konstantin mit seinen schulterlangen Haaren weder in der preußischen noch einer anderen Armee willkommen wäre. Nach 14 Minuten und 15 Sekunden ist auch das Stadtmagazin besiegt. Mit „Finale, oho“-Gesängen und einer La-Ola-Welle bedanken sich die acht bei ihren Fans, die es sich auf Decken im Sand oder in Liegestühlen rund um den Platz gemütlich gemacht haben. „Wir haben mit Disziplin und Taktik gewonnen – wir sind echte Preußen“, analysiert Konstantin, und verschweigt, dass auch Fürst Bismarck – in Kornform den Gegnern verabreicht – zum Sieg beigetragen hat.

Im letzten Spiel warten die Asiaten und zeigen in Bruce-Lee-Manier die Tigerkralle. Die Preußen bleiben gelassen und gewinnen. Nach ihrer Direktqualifikation fürs Finale müssen sie erst wieder am Sonntag ran. Da wollen sie den dritten Platz aus dem Vorjahr toppen. Sabine ist zuversichtlich: „Im letzten Jahr haben wir samstags gespielt, auch alles gewonnen, aber hatten nach dem Feiern am nächsten Tag einen Kater.“ Diesmal haben sie drei Tage Zeit, den Rausch auszuschlafen.

Alle Infos im Internet:

www.oststrand.de

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