Berlin : Mit Pistole zu Penny

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Die Zahl der Raubüberfälle auf Lebensmittelmärkte ist laut einer internen Statistik der Polizei seit Oktober wieder deutlich angestiegen. Experten vermuten, dass 2001 deutlich mehr Überfälle zu verzeichnen sein werden als noch im Jahr 2000. Damals wurden insgesamt 96 solcher Taten registriert. Bis Ende November verzeichnete die Polizei 87 Überfälle - etwas mehr als zum selben Zeitpunkt vergangenen Jahres. Da waren es 85. Die Kriminalisten stellten fest, dass Filialen der Supermarkt-Kette Penny bei den Tätern offenbar besonders beliebt sind. Dort sind die Sicherheitsvorkehrungen geringer und Diebe kommen schneller ans Geld. Überfälle auf Reichelt-Märkte zum Beispiel fanden dieses Jahr nicht statt und auch die Filialen von "Plus" blieben im zweiten Halbjahr 2001 weitgehend verschont, nachdem dort im Sommer die Sicherheitseinrichtungen verbessert worden waren.

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Allein von Januar bis März dieses Jahres wurden 50 Mal Lebensmittelmärkte überfallen. Die Diebe scheinen die dunkle Jahreszeit zu bevorzugen. An langen, hellen Sommertagen stagnierte die Zahl. Die Täter wurden erst von Oktober an wieder verstärkt aktiv. Ihre Vorgehensweise ist fast immer identisch: Sie passen morgens oder abends das Personal ab, bedrohen es mit Messern oder Pistolen und zwingen die Mitarbeiter, den Tresor mit den Einnahmen zu öffnen.

Technische Möglichkeiten, solche Raubüberfälle zu verhindern, gibt es durchaus. Doch die Verbesserung der Sicherheitseinrichtungen ist teuer. Manche Firmen wie "Plus" allerdings spüren bereits die positiven Auswirkungen der Investitionen. Noch zu Jahresbeginn gehörten "Plus"- wie auch "Penny"-Filialen zu den bevorzugten Zielen der Räuber. Dann ließ "Plus" neue Tresore einbauen. Seither wurde kaum noch eine Filiale überfallen. Und in den wenigen Fällen, in denen Plus-Geschäfte doch das Ziel von Räubern waren, mussten die Diebe ohne Beute abziehen.

"Penny" setzt derzeit noch auf den verstärkten Einsatz von Sicherheitsdiensten. Dennoch fühlt sich das Personal in den einzelnen Filialen nicht ausreichend geschützt. Anderseits hat "Rewe" - das Mutterhaus von "Penny" - die Überfälle zum Anlass genommen, "verschiedene technische Schutzmaßnahmen zu diskutieren und zu prüfen", teilte Rewe-Sprecher Andreas Krämer mit.

Als besonders wirkungsvoll gegen Raubüberfälle hat sich beispielsweise bei "Plus" der so genannte "Tresor im Tresor" erwiesen. Hier kommt auch unbefugtes Personal nicht mehr an das Geld. Das Prinzip ist, dass in einem Geldschrank ein zweiter Tresor eingebaut ist, in den - ähnlich dem Sparschwein-Prinzip - das Geld durch einen Schlitz eingeworfen wird. Schlüssel zu diesem inneren Geldschrank haben nur die Geldboten, nicht aber die Supermarktmitarbeiter.

Die Filialen der Firma Reichelt dagegen verfügen über Tresore, die in die Außenwände der Gebäude eingelassen sind. Auch in diese wird das Geld eingeworfen. Die Geldtransporteure müssen gar nicht mehr in den Supermarkt, sondern entnehmen das Geld durch eine Schleuse von außen. Wer an die Scheine kommen möchte, müsste also schon die Geldboten überfallen. So geschehen am 2. März dieses Jahres an der Heerstraße, als drei schwerbewaffnete und maskierte Täter auf dem Reichelt-Parkplatz einen Geldtransporter überfielen und versuchten, mit einem Gewehrkolben die Scheiben einzuschlagen. Als der Fahrer mit dem Transportfahrzeug einfach losfuhr, schossen die Täter hinterher. Sie erbeuteten zwei Geldsäcke, die Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens aus dem Tresor holten. Von den Tätern und ihrer Beute fehlt noch immer jede Spur.

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