Berlin : Mit Roben tricksen

Ein Ballkleid einmal tragen und dann einmotten? Nein, einfach ändern, sagt Anna von Griesheim.

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Alt oder neu? Das weiß nur Designerin von Griesheim. Foto: pa
Alt oder neu? Das weiß nur Designerin von Griesheim. Foto: paFoto: picture alliance / E54

Eine Nacht lang hat es geleuchtet und geglänzt, hat seine Trägerin verschönt und jede Menge Komplimente geerntet. Dann graut der Morgen, das Ballkleid hat seine Schuldigkeit getan. Die Ansicht, dass man ein Abendkleid nur einmal tragen kann, ist freilich hoffnungslos veraltet. Ballkleider sind oft ganz wandlungsfähig. Die Berliner Designerin Anna von Griesheim bekommt am Donnerstagabend den Modepreis „Die Goldene Nase 2011“ für Kreativität. Sie kann nicht nur Kleider entwerfen, sondern kennt auch Tricks, wie man ein schon getragenes Kleid immer wieder neu aussehen lässt. Die Abendrobe, die man sich für den ersten Teil der Ballsaison zugelegt hat, kann mit leicht gedämpfter Optik bei Familienfesten rund um Weihnachten noch einmal glänzen. Und mit kleinen Tricks lässt sich für den zweiten Teil der Saison ein Kleid mit anderer Wirkung daraus zaubern.

Ein kurzes Jäckchen aus Cashmere oder Jersey, das man zugeknöpft über der Abendrobe mit Spaghettiträgern und tiefem Dekollete anzieht, verwandelt das glamouröse Ball-Outfit umgehend in ein elegantes, langes Kaminkleid für Heiligabend. Selbst ein Kleid mit Schleppe lässt sich zu diesem Anlass ganz leicht runterdimmen, indem man die Schleppe mit einigen Stichen an der inneren Rücknaht befestigt und so einen gleichmäßig bodenlangen Saum schafft. Wer zum langen Rock beim Ball eine Paillettenkorsage getragen hat, kann sie Weihnachten durch einen Cashmerepullover ersetzen.

Die Designerin hat viele Kunden, die sich aus praktischen Erwägungen von Anfang an sowieso zweiteilige Roben schneidern lassen. Zum großen Ball tragen sie dann eine Corsage oder elegante Jacke zum langen Rock. Bei bestimmten Crash-Stoffen fällt es überhaupt nicht auf, wenn ein Kleid aus zwei Teilen besteht. Den nachhaltigen Pfiff bringt das dritte Teil, der kurze Rock aus demselben Stoff, der aus der Ballrobe auch noch ein schickes Cocktailkleid für den Silvesterabend im Freundeskreis macht. Den kann man sogar in der Handtasche dabei haben, wenn es nach einem Ball noch weitergehen soll zur Party in einen angesagten Club.

Auch die Corsage kann zum Beispiel Silvester ein eigenes Solo geben, wenn man sie kombiniert mit einer schwarzen Hose und Pumps. Wer ein kurzärmeliges Paillettentop beim Ball zum langen schwarzen Samtrock kombiniert hat, wird das Teil zur Vernissage vielleicht unterm Business-Anzug tragen, um dem Alltagsstoff einen festlichen Anstrich zu geben. Für einteilige Ballkleider gibt es ebenfalls viele Variationsmöglichkeiten. Ein schlichtes, langes schwarzes Kleid etwa erhält mit einem Kimonogürtel in leuchtender Seide, etwa in modischem Smaragdgrün oder in Pink, einen neuen dramatischen Akzent. Auch mit immer neuen Stolas kann man die Aura eines Kleides verändern.

Anna von Griesheim greift gern zu einer Organza-Stola, dreht sich am Rand eine Rose daraus und heftet sie mit einigen Stichen an dem Reststoff fest. Wer so viel Geschick nicht besitzt, kann auf Stoffblumen in verschiedenen Größen zurückgreifen. Ein schlichtes Kleid kann man temporär auch mit Swarovski-Kristallen bestücken und ihm so eine Extraportion Glanz geben. Obwohl sie gerade erst ihre neue Abendkollektion vorgestellt hat, besitzt sie viel Verständnis dafür, dass man sich von manchen Teilen nicht so einfach trennen mag. Im eigenen Schrank hängt noch ein schwarzes Jerseykleid, zwanzig Jahre alt, sie liebt es heiß und innig und findet immer wieder Anlässe, zu denen sie das geliebte Stück ausführt.Elisabeth Binder

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