Berlin : Mit sanfter Stimme und Machtinstinkt

Vera Gäde-Butzlaff wird alleinige Chefin der BSR

Ralf Schönball

Vera Gäde-Butzlaff wird alleinige Chefin der BSR Sie hat eine leise, fast flüsternde Stimme, hört aufmerksam zu und pariert Angriffe mit einem säuerlichen Lächeln. Vera Gäde-Butzlaff, 52, ist keine schneidige Vorstandsvorsitzende und schätzt auch keine großen Auftritte. Dennoch führt sie seit gestern die 6000 Mitarbeiter der landeseigenen Berliner Stadtreinigung (BSR). Zum zweiten Mal ist sie auch ohne Parteibuch ganz oben. Und vieles spricht dafür, dass sie den Führungsposten dieses Mal nicht so schnell wieder abgeben wird.

Beim ersten Mal war das anders: Nach nur zehn Monaten musste die damalige Staatssekretärin für Umwelt in Sachsen-Anhalt ihren Stuhl wieder räumen. Die SPD, die Gäde-Butzlaff geholt hatte, musste das Ministerium nach der verlorenen Landtagswahl 2002 abgeben. Diese Erfahrung nennt die Frau mit den rotbraunen Haaren sofort, wenn sie nach Niederlagen gefragt wird. Sie habe noch viel vorgehabt und angefangene Dinge wieder aufgeben müssen. „Erst im Nachhinein weiß man aber, dass es auch sein Gutes hatte“, sagt sie – und meint ihren Posten in Berlin.

Wenn es drauf ankommt, dann zeigt sie aber auch Härte. Den Machtkampf gegen ihren Vorgänger, den eleganten Wiener Gerhard Gamperl, entschied sie für sich – ohne dass ihr der Ruf einer Königsmörderin anhaften würde. Sie blieb lange in Deckung und erweckte den Eindruck, sie stehe der Belegschaft näher und treffe den richtigen Ton bei den selbstbewusst-ruppigen BSR’lern – wie eine von der Basis eben.

Das kommt in den Kreisen der Koalitionäre aus SPD und PDS gut an. Bei ihrem Aufstieg kam der früheren Verwaltungsrichterin aber auch ein Zufall zur Hilfe: Sie übt auf die gleiche sanfte und unbeirrte Art ihre Macht aus wie der Chef des BSR-Aufsichtsrates, Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS). Da fallen Abstimmungen über die Effizienzsteigerung bei der BSR leicht. Der erfolgreiche Auftakt dürfte Gäde-Butzlaff den Chefposten eingebracht haben: Lautlos setzte sie Mehrarbeit und Lohnverzicht im Betrieb durch und senkte so die Personalkosten um 15 Millionen Euro.

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