Berlin : Mit Schlagstock und Messern am Schultor

Vier Jugendliche beschimpften und bedrohten 16-Jährigen – zwei Täter gefasst

Tanja Buntrock

Mit einem Schlagstock und zwei Messern sind vier Jugendliche am Montag an der Julius-Leber-Oberschule (Tegel) angerückt, um einem 16-jährigen „einen Besuch abzustatten“. Zur großen Pause stellten sich an vor den Schulhof, schlugen mit ihrem Schlagstock gegen das verschlossene Tor und riefen den 16-Jährigen herbei. Als das Opfer kam, drohten ihm die Täter, und es kam zu einem „Wortgefecht“, schildert ein Polizeisprecher.

Als klar war, dass die Polizei verständigt wurde, flüchteten die vier Jugendlichen. Zwei von ihnen wurden wenig später in der Umgebung gefasst. Sie sind 16 und 17 Jahre alt und türkischer Abstammung. Worum es bei dem Streit ging, ist nicht ganz klar. Angeblich habe es vor Tagen bereits eine „verbale Auseinandersetzung gegeben“, sagt der stellvertretende Schulleiter. Er sagt auch, dass es gut war, dass zufällig zwei Polizisten an der Schule waren, als das Ganze passierte. „Die Beamten waren hier, weil sie zweimal im Monat Vorträge zur Gewaltprävention halten.“

Dies scheint auch notwendig. Zwar gäbe es „einen solchen Vorfall“ alle zwei Jahre einmal, sagt der Schulleiter. Doch Beschimpfungen, Mobbing und verbale Bedrohungen – vor allem von Schulfremden – kämen häufiger vor. Genau aus diesem Grund habe man sich auch entschieden, das Schultor während der Pausen zu verschließen. Viele der Familien der rund 300 Schüler lebten von Sozialhilfe. „Die haben doch teilweise gar keine Perspektive, rutschen ins Kriminelle ab. Das ist hier richtig schlimm geworden“, klagt eine Mitarbeiterin. Ihr machten die Art und Weise, mit welcher Aggression Konflikte unter Jugendlichen ausgetragen werden, Sorgen.

422 Gewaltvorfälle an Schulen zählte die Schulverwaltung im Schuljahr 2002/03. Mit inbegriffen sind 83 gefährliche Körperverletzungen mit einer Waffe. Im Schuljahr davor waren es 254 Gewalttaten, darunter 46 gefährliche Körperverletzungen.

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