Berlin : Mit Sicherheit

Strenge Kontrolle: Der Ballon am Potsdamer Platz muss bei Wind unten bleiben

Marc Neller

Ein großes Netz mit tonnenschweren Gewichten hält den bunten heliumgefüllten Ballon am Boden, die Dame im Kassenhäuschen schüttelt den Kopf. „Nein“, sagt sie, „in den nächsten Stunden fahren wir nicht. Vielleicht heute gar nicht mehr.“ Eine Frau in weißem T-Shirt und roter Hose mag es nicht glauben. „Wir rufen später noch mal an.“ Ihr Sohn hat Geburtstag, sie wollen mit einer Fahrt im Heißluftballon, 150 Meter über dem Potsdamer Platz feiern. Eine junge Familie aus Bonn gibt sich geschlagen. „Dann kommen wir eben nächstes Jahr wieder.“

Der Wetterdienst hat Windstärke drei bis vier vorausgesagt, dazu Böen. „Zu gefährlich, um mit dem Hi-Flyer aufzusteigen – auch wenn Luzern nicht gewesen wäre“, sagt Alexander Lempe von „Air Service Berlin“. Am Freitagnachmittag war in der Schweiz eine Frau bei einem Highflyer-Unglück umgekommen. Eine Böe hatte den an einem Kabel geführten Heißluftballon erfasst und gegen eine Ausstellungshalle geschleudert. Der Aufprall war so wuchtig, dass es eine Touristin aus der 23-köpfigen Gruppe aus dem Ballon warf. Es soll eine Unwetterwarnung gegeben haben.

„Man kann zu diesem Unfall keine Parallelen ziehen. Das System, das dort verunglückt ist, ist in Deutschland gar nicht zugelassen“, sagt Lempe vom „Air Service Berlin“. Seit gut vier Jahren bietet seine Firma Fahrten mit dem Aussichtsballon über dem Potsdamer Platz an.

Luzern ist weit weg, reichlich tausend Kilometer von Berlin entfernt. Und trotzdem fürchtet man bei „Air Service“, die Leute könnten sich abschrecken lassen. Auch wenn nicht gefahren wird, sitzt jemand am Schalter. Alle Informationen sind mit den Geschäftsführern abgesprochen. Dabei, sagt Alexander Lempe, seien die deutschen Sicherheitsvorkehrungen vorbildlich. „Unsere Piloten haben eine meteorologische Ausbildung. Und sie werden zwei Monate lang nur dafür ausgebildet, mit diesem Gerätetyp zu fliegen.“ Nach Auskunft der Betreiber ist für die Piloten außerdem eine Ballonfahrerlizenz eine Voraussetzung für die Spezialausbildung. Zuletzt „nimmt der Ballon-Hersteller die Prüfungen ab. Nur er. Und die Leute dort können es wohl am besten beurteilen, wer mit ihrer Technik umgehen kann und wer nicht“. Die Piloten werden jedes Jahr neu geprüft, um die Lizenz zu verlängern.

Wind, Böen, Unwetter: „Je mehr Wind geht, desto weniger Passagiere dürfen auf einmal fahren“, sagt Lempe. Bei idealen Bedingungen seien es 30, oft weniger. Die Anzahl einzuschätzen, sei Aufgabe der Piloten. Das Ergebnis in diesem Sommer war, dass oft niemand flog: „Wegen des Wetters mussten wir viel zu oft am Boden bleiben.“

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