Berlin : Mit Sprengstoff und Scharfschützen

Anti-Terrorübung auf der Autobahn. Gewerkschaft: Polizei ungenügend gerüstet

Jörn Hasselmann

Eine Minute nach 12 Uhr mittags schlagen die Terroristen zu. An der Autobahn in Tegel explodiert ein Benzinfass, die Wagenkolonne des kangolesischen Präsidenten, der anlässlich der Fußballweltmeisterschaft seine Nationalmannschaft in Berlin besuchen will, wird von Scharfschützen beschossen. Das Spezialeinsatzkommando erwidert das Feuer, bis die Angreifer kampfunfähig sind und festgenommen werden können. Das Szenario war gestern an der A111 zu besichtigen – eine Übung der Polizei zur WM2006. Der Präsident des erfundenen Landes „Kangolesien“ überlebte den simulierten Angriff, die Polizei brachte ihn in seiner gepanzerten Limousine mit hohem Tempo in Sicherheit. Es galt, wie bei US-Präsident Bush, die Gefährdungsstufe eins, den Konvoi begleiteten auch Notarztwagen und Hubschrauber.

Die Autobahn A 111 war für die Übung 90 Minuten gesperrt worden. Sogar die Flugsicherung war informiert, damit anfliegende Maschinen nicht von dem schwarzen Rauchpilz nahe des Flughafens irritiert würden. 350 Beamte waren im Einsatz. Die Übung hatte drei Schwerpunkte: den Beschuss des Konvois, einen mit Sprengstoff gefüllten Lastwagen, den Bombenentschärfer nach Geheimdienstinformationen finden mussten. Und schließlich blockierten deutsche Fußballhooligans das Quartier der kangolesischen Mannschaft, weil diese sich durch „Korruption die Qualifikation zur WM erschlichen“ hatte.

Die Übung soll jetzt ausgewertet werden. Wie berichtet, erwartet die Polizei im kommenden Jahr eine große Zahl von Staatsmännern, die „ihre“ Mannschaft begrüßen wollen und dies mit Gesprächen mit der Bundesregierung verbinden.

Unterdessen kritisierte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die Vorbereitungen für die WM. Statt der benötigten fünf bis sieben Millionen Euro bekomme die Polizei nur 440000 Euro für die Zusatzbelastung bei der WM. Verstärkungskräfte aus anderen Bundesländern müsse man aus dem eigenen Haushalt bezahlen, sagte GdP-Sprecher Klaus Eisenreich. Dem widersprach die Finanzverwaltung: „Das Geld für notwendige zusätzliche Beamte wird bereitstehen“, erklärte Sprecher Matthias Kolbeck.

Nach Einschätzung der GdP ist es sicher, dass zur WM internationale Hooligans anreisen „und die gesamte Stadt unsicher machen“ werden. Schon am letzten Wochenende seien ja mehr als 1000 Polizisten für „ein Viertligaspiel“ benötigt worden. Es sei völlig ungewiss, ob andere Bundesländer tatsächlich zur WM die benötigte Anzahl nach Berlin schicken. „Berlin kann die von der Bundesregierung für die WM abgegeben Sicherheitsgarantien kaum einhalten“, resümierte Eisenreich.

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