Berlin : Mit Stofftieren und Feingefühl

Der Tagesspiegel sammelt für vernachlässigte Kinder: Die Krisengruppe möchte ein Spielzimmer einrichten

G,a Bartels

So viele Bewerbungen gab es für unsere Weihnachtsspendenaktion noch nie: Mehr als 160 Mappen von sozialen Vereinen sind eingegangen. Der Spendenverein hat alle sorgsam gesichtet und geprüft. Wegen der großen Nachfrage werden wir in diesem Jahr noch mehr Projekte bedenken. Ab heute bis Weihnachten stellen wir ausgewählte alle zwei Tage vor – und bitten Sie, liebe Leser, um Spenden. Heute: Die Krisengruppe Robin für vernachlässigte Kinder.

Fritzi lacht vergnügt und stapft auf stämmigen Beinchen durch den sonnengelb gestrichenen Flur. Ihr Stofftier hält sie dabei ganz fest in der Hand. Sie ist 14 Monate alt und mächtig neugierig. Dauernd lugt sie um die Ecke. Das war vor einigen Monaten noch ganz anders, als sie in die Krisengruppe Robin in der Landsberger Allee in Friedrichshain gekommen ist. „Die Kinder sind körperlich und seelisch in einem schlechten Zustand, wenn das Jugendamt sie zu uns schickt“, sagt Teamleiter Stephan Bartels. Sie wären verängstigt, in ihrer Entwicklung zurückgeblieben, schlecht ernährt, sprächen kaum, hätten blaue Flecken, Hautekzeme und Erkältungen. „Aber trotz dieser Anzeichen von Verwahrlosung sind die älteren Kinder immer loyal den Eltern gegenüber, haben Heimweh und wollen am liebsten sofort wieder nach Hause“, beschreibt Sozialpädagoge Steffen Werner die oft dramatischen Trennungsituationen.

Zehn Mädchen und Jungen, höchstens zwölf Jahre alt, leben im Moment mit Betreuern in der 120 Quadratmeterwohnung. „Eigentlich sollen es nur acht sein“, sagt Petra Kaufmann vom Trägerverein Kinderhaus Berlin - Mark Brandenburg, „aber das Jugendamt Friedrichshain schickt die Kinder gern zu uns, weil sie es hier gut haben“.

In der Tat ist die Wohnung licht und liebevoll eingerichtet. Und die Mitarbeiter stemmen eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Ihr jüngster Schützling, Baby Lotta, ist schließlich erst ein halbes Jahr alt. Die obdachlose Mutter hat die Kleine in ihrer Not selbst beim Jugendamt abgegeben. Die Kinder stammen meist aus armen Familien, erzählt Steffen Werner. Häufig haben die Eltern ihre Kindheit selbst im Heim verbracht oder sind alkoholabhängig.

„Die Sensibilität von Nachbarn, Großeltern, Kindergärtnern oder Lehrern, verwahrloste Kinder zu bemerken und dem Jugendamt mitzuteilen, hat zugenommen“, meint Stephan Bartels. Und auch die Weihnachtsspendenaktion des Tagesspiegels hat dieses Jahr den Schwerpunkt Kinderschutz.

Die Krisengruppe Robin gibt es seit 2005. Miete und Personalkosten decken öffentliche Gelder, aber für viele andere Dinge brauchen sie Spenden. Dringend nötig ist der Umzug in eine größere Wohnung im Haus, wo eine Küche und ein schönes Spielzimmer eingerichtet werden sollen. „Mit Schaumstoffteilen zum Höhlenbau, Klanghölzern zum Musik machen und von der Decke baumelnden Seilen“, sagt Steffen Werner, „damit wir die Kinder optimal fördern können.“ Drei Monate bleiben die Kinder durchschnittlich, bevor sie wieder nach Hause oder in eine Pflegefamilie kommen. Die Krisengruppe Robin will Familien erhalten und arbeitet deshalb auch mit den Eltern. Steffen Werner: „Wir wollen Kindern und Eltern eine Chance geben, den Knick in ihrer Entwicklung wieder geradezubiegen.“ Das Spendenkonto: Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Ktnr. 25 00 30 942, BLZ 100 500 00. Onlinebanking ist möglich. Notieren Sie Namen und Anschrift für den Spendenbeleg. Internet: www.tagesspiegel.de/spendenaktion.

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