• Mit Takt und Gefühl: 96 Doktoren, 12 Länder - das Europäische Ärzteorchester spielt im Konzerthaus

Mit Takt und Gefühl : 96 Doktoren, 12 Länder - das Europäische Ärzteorchester spielt im Konzerthaus

Sie üben alle in ihrer Heimat - und spielen dann zusammen für den guten Zweck: Die Mediziner des Europäischen Ärzteorchesters treten am Sonntag, 2.Juni, im Konzerthaus auf. Es gibt noch Karten.

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Engagement im Duett. Antje Lueg, Augenärztin aus Halensee (Geige), und Hans-Jürgen Nabel, Chefarzt für Geriatrie aus Gatow (Horn), haben den nächsten Charityauftritt mit Orchester am 2. Juni am Gendarmenmarkt.
Engagement im Duett. Antje Lueg, Augenärztin aus Halensee (Geige), und Hans-Jürgen Nabel, Chefarzt für Geriatrie aus Gatow (Horn),...Foto: Mike Wolff

Die erste Probe mit dem Orchester wird Hans-Jürgen Nabel nie vergessen. Rund hundert Hobbymusiker trafen sich in einer Londoner Kirche und spielten Beethovens Violinkonzert. Zuvor hatten sie sich noch nie gesehen. „Bei den ersten Takten ging mir ein Schauer über den Rücken“, sagt Nabel, 55, Chefarzt für Geriatrie aus Gatow. Für ein einziges Konzert waren die Musiker aus den unterschiedlichsten europäischen Ländern angereist.

Auch Antje Lueg, 38, Fachärztin für Augenheilkunde aus Halensee, war in der Kirche dabei. Es war 2004, das Gründungsjahr des Europäischen Ärzteorchesters. Lueg spielt Geige, Nabel Horn. Jetzt sitzen sie über Luegs Wohnzimmertisch gebeugt und betrachten das Programmheft: Am Sonntag spielt das Ärzteorchester im Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt ein Benefizkonzert. Zweimal im Jahr spielt das Orchester zusammen: einmal in London, einmal auf dem europäischen Festland. Auf dem Programm steht diesmal „Eine Faust Ouvertüre“ von Richard Wagner, Max Bruchs „Schottische Fantasie“ und die „Rheinische“ von Robert Schumann. Die Einnahmen gehen an das Hospiz der Paul-Gerhardt-Diakonie, das im September auf dem Gelände des Martin-Luther-Krankenhauses in Schmargendorf eröffnet. 96 Ärzte aus zwölf europäischen Ländern üben seit Wochen einzeln auf ihren Instrumenten. Erst drei Tage vor dem Orchester beginnen die gemeinsamen Proben. Lueg sagt: „Von der 27-jährigen Assistenzärztin bis zum 77-jährigen pensionierten Arzt ist alles dabei.“ Sie erinnert sich an einen Dirigenten, der vom Perfektionismus des Laienorchesters schwer beeindruckt war. „Er meinte, wie wir auf den Punkt genau alle ganz konzentriert waren, das ist wie der Arzt, der zur Operation kommt.“ Einige Wochen vor dem Konzert beginnt Hans-Jürgen Nabel, jeden Tag eine Stunde auf seinem Horn zu üben. „Außerdem höre ich mir die Konzert-CDs an, wenn ich in die Arbeit fahre.“ Das Berliner Konzert am Sonntag bedeutet für Lueg und Nabel wegen der Organisation noch wesentlich mehr Arbeit. Sie müssen Dutzende E-Mails schreiben, Hotelzimmer reservieren, das Programmheft gestalten, Verpflegung besorgen. Mit den Einnahmen von 20 Euro pro Karte möchte das Paul-Gerhardt-Hospiz seine Räume familiengerecht gestalten und die Trauerbegleitung von Kindern ermöglichen, die Angehörige besuchen.

Die Idee zum Ärzteorchester hatte der Australier Miklos Pohl, ein plastischer Chirurg. Er initiierte es erstmals 1993 in Australien. Nachdem er 2003 nach London gezogen war, gründete er ein Jahr später die europäische Variante. Seither haben Antje Lueg und Hans-Jürgen Nabel jeweils nur dreimal gefehlt. „Als Ausgleich ist es einfach das Schönste, was man haben kann“, sagt Lueg. Wer teilnehmen möchte, zahlt einen Beitrag von 175 Euro, wovon der Dirigent, die Gast-Solisten – dieses Mal die Geigerin Marlene Ito von den Berliner Philharmonikern – und das Catering bezahlt werden. Unterkunft und Flug kosten extra.

Manche, die sich das nicht leisten können, finden Unterkunft bei ihren Kollegen. Bei Antje Lueg kommt dieses Mal eine befreundete Ärztin und Geigerin aus Ungarn unter. Beim Konzert in Budapest 2006 haben sie sich angefreundet. Überhaupt ist die Stimmung unter den Hobbymusikern ziemlich besonders. „Man hat immerhin schon zwei Gemeinsamkeiten, über die man sich austauschen kann“, sagt Lueg. „Den Beruf und die Musik.“ Auch wenn über die Medizin gar nicht so viel gesprochen wird. Am meisten gehe es um die Stadt, in der man gerade sei, und um die Musik, sagt Nabel. Und um die gemeinsamen Erinnerungen, die man im Lauf der Jahre teilt.

Das Europäische Ärzteorchester spielt am Sonntag, 2. Juni, ab 20 Uhr im Konzerthaus Berlin, Am Gendarmenmarkt 2, Mitte. Karten unter Tel. 203 09 21 01 und online über www.konzerthaus.de, 20 Euro, mit Vorverkaufsgebühr 24,50 Euro.

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