Berlin : Mit Tempo 58 auf den Olymp

22-Jähriger ist Berlins fittester Lehrling: Beim DAK-Gesundheitstag überholte er auf dem Ergometer sogar Marathon-Legende Hübner

Rainer W. Duriing

Was Herbert Mrotzeck zu sagen hatte, ist durchaus schockierend: „Die 15- bis 19-Jährigen sind zehnmal so häufig krank wie ihre 60-jährigen Kollegen“, sagt der Landeschef der Deutschen Angestellten- Krankenkasse (DAK). Dagegen wollte man mit einem Gesundheitstag ein Zeichen setzen und so kam es, dass am Sonnabend im Haus der Industrie- und Handelskammer schwer was los war. Hunderte junge Leute kämpften um die Trophäe „Berlins fittester Azubi“.

Im Parterre des sonst Bilanzen und Verträgen dienenden Hauses in der Fasanenstraße wurden eiförmige Football-Bälle um die Wette auf Ziele geschleudert und auf einer Reihe von Ergometern wurde gestrampelt, dass der Schweiß nur so flog. Azubi gegen Maschine, Azubi gegen Azubi – und am Ende Azubi gegen Prominente. Was zählte, waren Zahlen. Drei Minuten hatte jeder Radler Zeit, danach wurde die geschaffte Strecke vom Ergometer-Display abgelesen. 300 Jugendliche aus 60 Betrieben gingen in sechsköpfigen Mannschaften an den Start. Und plötzlich schien ganz unglaubwürdig, was DAK-Chef Mrotzeck über die Gesundheit der Jugend verkündet hatte.

Mit rhythmischem Klatschen wurde Stefan Bär (20) von seinen Landesbank-Kollegen angefeuert. Bär strampelte wie wild auf dem Ergometer. Danach gab es Schulterklopfen und ein Handtuch gegen den Schweiß. Stolze 2,7 Kilometer waren das Ergebnis. Das entspricht einem Durchschnittstempo von 54 Stundenkilometern. Die Frauen ließen sich nicht abhängen. Josephine Kresse (17) aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales legte sich für die letzten zehn Sekunden noch mal mächtig ins Zeug. Der Computer zeigte 50,7 Stundenkilometer. Dann waren drei Minuten um und 2,2 Kilometer das Ergebnis. Außer dem Fangebrüll der Azubis dröhnte die Musik vom Jugendsender Kiss FM durchs Haus. „Jetzt kommt die gute Nachricht“, brüllte Moderatorin Anny für die nächsten Radler ins Mikro: „Nur noch zwei Minuten!“

Beim Prominentenrennen zeigten die Politiker deutliche Konditionsschwächen. Weder Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei), der eingangs lautstark fitte Azubis und fitte Betriebe gefordert hatte, noch der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) landeten auf den vorderen Rängen. Sieger war mit 2,4 Kilometern Berlins Marathon-Legende Bernd Hübner. Den zweiten Rang teilten sich mit jeweils 2,3 Kilometern Kanu-Olympiasiegerin Birgit Fischer, Handwerkskammer-Präsident Stephan Schwarz und der Leiter der Tagesspiegel-Lokalredaktion, Gerd Nowakowski. Von unfitter Jugend konnte also im IHK-Haus keine Rede sein.

Am Ende siegte das Team von Landesbank-Azubi Bär vor BMW. Bester Einzelfahrer wurde der 22-jährige Veiko Perl (Landesbank) mit 2,9 Kilometern, beste Einzelfahrerin Daniela Schütt (DAK) mit 2,6 Kilometern.

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