Berlin : Mit Tor, Show und Bill Clinton

Berlin feiert den 3. Oktober zwei Tage lang. Die Stadt ist seit 1990 erstmals Gastgeber der zentralen Feierlichkeiten

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Von Brigitte Grunert

Ein Dank-Konzert für die Helfer bei der Hochwasserkatastrophe, ein Festakt im Schauspielhaus, die spannende Show der Enthüllung des Brandenburger Tores, zwei Tage Bürgerfest mit Präsentationen der Länder – und der frühere amerikanische Präsident Bill Clinton ist Ehrengast. Auch Michail Gorbatschow ist eingeladen, hat aber bisher nicht zugesagt. Zum ersten Mal seit dem 3. Oktober 1990 ist Berlin wieder dran, das zentrale Fest zum Tag der Deutschen Einheit auszurichten. Es findet alle Jahre dort statt, wo der Bundesratspräsident zu Hause ist. So ist Klaus Wowereit diesmal Gastgeber.

Der Regierende Bürgermeister betonte am Mittwoch bei der Vorstellung des zweitägigen Festprogramms, dass die Feierlichkeiten „noch im Zeichen der Dankbarkeit für die Hilfe in der Flut stehen“. Dies sei „gelebte Einheit“. Wowereit hat je 20 Helfer aus den Bundesländern eingeladen; Kost und Logis übernehmen Sponsoren. Die Länder, der Bundesrat, der Bundestag und die Bundesregierung stellen sich mit Bühnenprogrammen auf einer Festmeile westlich des Brandenburger Tores vor, die bereits am 2. Oktober um 17 Uhr beginnen. In diesem Rahmen beginnt um 18 Uhr auch das Dankkonzert am Tor. Gefeiert wird zwischen Straße des 17. Juni und Unter den Linden. So bietet am 3. Oktober auf der Hauptbühne am Pariser Platz der Gesamtverband der Textilindustrie eine Show unter dem Motto „Berlin in Mode“.

Was Rang und n hat, ist am Nationalfeiertag in Berlin; natürlich sind alle Spitzenpolitiker von Bund und Ländern eingeladen. Der große Tag beginnt traditionell mit einem Ökumenischen Gottesdienst, den der evangelische Bischof Wolfgang Huber und Georg Kardinal Sterzinski im Berliner Dom gestalten. Auch Schüler des Grauen Klosters, des Canisius-Kollegs und der Theresienschule wirken mit. Anschließend spricht Bundespräsident Johannes Rau beim Festakt im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Eingeladen sind auch Kinder der Jahrgänge 1989 und 1990, die die Teilung nicht erlebt haben.

Höhepunkt und Finale aber ist die Enthüllung des Brandenburger Tores nach zweijähriger Restaurierung im Beisein von Bill Clinton, der auch eine Ansprache hält. Ab 19 Uhr können sich die Zuschauer auf dem Pariser Platz die spannende Wartezeit bei Musik vertreiben. Von der Band „Pomp Duck & Circumstance“ bis zu den „Schöneberger Sängerknaben“ sind alle Richtungen vertreten. Bürgermeister aus aller Welt schicken „Videogrüße von Tor zu Tor.“ Für die Enthüllungsaktion wurden der Skisportler, Unternehmer und Filmregisseur Willy Bogner und Jochen Schweizer, Spezialist für „Gebäudeinszenierungen“, engagiert – Schweizer als Organisator, Bogner als Akteur.

Das Tor wird eigens mit neuem weißen Tuch verhüllt; der „größte Reißverschluss, der je gefertigt wurde“, hält es zusammen. Um 20 Uhr 35 wird Bogner mit Hilfe eines Spezialballons über das Tor gehoben. Der Ballon hebt die Quadriga-Verhüllung ab, während sich Bogner am Reißverschluss abseilt. Bei schlechtem Wetter allerdings entfällt der Ballon-Aufstieg. Dann wird Bogner mit einem Kran aufs Tor gehoben und entfernt die Quadriga-Verhüllung. Folglich ist der Rat des Wetterfroschs Jörg Kachelmann gefragt.

Bill Clinton kommt am Nachmittag des 3. Oktober für zwei Tage nach Berlin. Wowereit würdigte den Beistand Amerikas in den Jahrzehnten der Teilung. Er gab allerdings zu, dass die Einladung von Marie-Luise Weinberger von der „Werkstatt Deutschland“ stammt, die auch den Kontakt mit Clinton herstellte. Aber nun schiebt sich die Politik davor. „Koordination“ nennt Wowereit das. Die „Werkstatt Deutschland“ richtet jedes Jahr eine eigene Veranstaltung zum 3. Oktober aus, diesmal am Vormittag mit einem europäischen Kolloquium in Sanssouci. Clinton soll am Abend Ehrengast bei einem Festempfang der „Werkstatt“ im Hotel Adlon sein.

Aus dem Berliner Stadtsäckel werden nicht mehr als 200000 Euro in die Feierlichkeiten fließen. Vielfache Mittel bringen die Sponsoren auf. Zu ihnen zählen auch der Energiekonzern Vattenfall Europe und Geschäftsleute Unter den Linden wie das Café Lindenlife.

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