Berlin : Mit türkischen Stimmen gegen Ströbele Herausforderer setzen auf Kreuzbergs Migranten

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Er ist im Kiez verwurzelt. Er kämpft für mehr soziale Gerechtigkeit. Und er ist zuversichtlich, im September für den Bezirk KreuzbergFriedrichshain direkt in den Bundestag gewählt zu werden. Der türkischstämmige Sozialdemokrat Ahmet Iyidirli hat die besten Chancen, am heutigen Donnerstag von der Kreuzberger SPD als Direktkandidat nominiert zu werden. Dann will er Christian Ströbele das Leben schwer machen, dem grünen Bundestagsabgeordneten, der am Dienstagabend erneut von seiner Partei als Direktkandidat nominiert wurde.

„Ich kann Ströbele schlagen“, sagt Iyidirli selbstbewusst – und jüngsten Prognosen zum Trotz, die dem Grünen-Star erneut einen Sieg in Aussicht stellen. Das schreckt Iyidirli nicht. Der 49-jährige Bundesvorsitzende der türkisch-stämmigen Sozialdemokraten (HDF), der unter anderem als Sozialarbeiter, Mieterberater und in der politischen Bildung arbeitet, will seinem grünen Kontrahenten die Wähler streitig machen, indem er auf Themen setzt, die auch bei Grünen-Sympathisanten gut ankommen: Sozialpolitik, Integration und den Kampf gegen Diskriminierung. „Ich habe vor allem bei den Migranten eine große Unterstützung“, sagt Iyidirli – was angesichts des hohen Kreuzberger Migrantenanteils durchaus wahlentscheidend sein könnte.

Gute Chancen auf das Direktmandat rechnet sich auch der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner aus. Der 57-Jährige holte bei den Abgeordnetenhauswahlen 1995 und 1999 das Direktmandat für die CDU in Friedrichshain-Kreuzberg. Seit fünf Jahren ist der technische Angestellte in der Senatsbauverwaltung CDU-Kreischef. In der Migrationspolitik hat Wansner eine klare Position. „Die Integration ist gescheitert. Wir brauchen Konzepte, damit die Bevölkerungsstruktur in Kreuzberg nicht komplett entmischt wird“, sagt Wansner. In Wansners Kreisverband gibt es unter 600 Mitgliedern rund 150 Migranten. Zwei türkischstämmige CDU-Politiker sitzen im Kreisvorstand.

Für die PDS-Politikerin Cornelia Reinauer ist Integrationspolitik fast schon ein Hobby. Die 52-jährige Bürgermeisterin in Friedrichshain-Kreuzberg hat 1981 drei Monate in Istanbul gelebt und Türkisch gelernt. Sie habe danach wenig Praxis gehabt, die Sprache zu trainieren, könne sich aber „einigermaßen verständigen“. Für Reinauer ist die Integrationspolitik nicht gescheitert. „Es ist ein soziales Problem, wenn auch in Migrantenfamilien die Arbeitslosigkeit hoch ist“, sagt sie.

Eher eine Fußnote ist Ströbeles vierter Herausforderer: Der Student Christopher Paun kandidiert für die FDP, rechnet sich aber kaum Chancen aus. sib/lvt

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