Berlin : Mit Volldampf fürs Technik-Museum

Am Sonntag öffnet am Gleisdreieck der Neubau. Ohne seinen Ex-Direktor wäre das Projekt fast gescheitert

Klaus Kurpjuweit

Das Deutsche Technikmuseum am Gleisdreieck in Kreuzberg gehört nach der Eröffnung seines Neubaus am kommenden Sonntag zu den größten Museen seiner Art weltweit. Fast 400 000 Besucher zieht es jährlich an. Und trotzdem wäre es beinahe gar nicht gebaut worden. Wäre da nicht Günther Gottmann gewesen – ein ehemaliger Theologe. Er hatte zwar seinen Glauben an Gott verloren, aber nicht den an „sein“ Museum.

Den Neubau setzte Gottmann durch, als der Senat bereits den Rotstift angesetzt hatte. Doch der Museumsdirektor hatte die richtigen Verbündeten. Ein überzeugter Freund der Anlage am Gleisdreieck war – und ist – Eberhard Diepgen. „Mit dem Neubau verstieß Diepgen als Regierender Bürgermeister gegen fast alles, was er zuvor verkündet hatte“, gibt Gottmann heute zu. Viele Gespräche und – trotz aller Liebe zum Museum – auch viel Überzeugungsarbeit waren dem ersten Spatenstich vorausgegangen.

Der feierliche Akt hätte vor den großen Sparrunden stattfinden sollen, als das Geld noch reichlicher vorhanden war. Doch ein Streit mit einem Grundstücksbesitzer, der auf dem Baugelände einen kleinen Betrieb hatte, verzögerte den formalen Beginn. Als der Streit beigelegt war, wollte Diepgen auf den Griff zum Spaten nicht mehr verzichten. 1996 war es so weit; die Arbeiten an dem 70-Millionen-Euro-Bau begannen. Und endeten beinahe gleich wieder.

Als der Keller fertig war, wollten vor allem der damalige Bausenator Jürgen Klemann (CDU) und Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD) den Bau stoppen lassen. Der Versuch, die zum Sparen entschlossene Senatorin durch einen Besuch im Altbau ebenfalls zu einem Museumsfan zu machen, wäre fast gründlich schief gegangen, erinnert sich Gottmann. Fugmann-Heesing sei vom Marsch durch die Ausstellungen so erschöpft gewesen, dass sie anschließend meinte, das Museum sei doch jetzt schon ungeheuer groß, größer müsse es doch wirklich nicht mehr werden.

Doch Gottmann umschiffte auch diese Klippe. Er konnte Diepgen überzeugen, dass es teurer wäre, den Bau unfertig zu stoppen, als die Arbeiten fortzusetzen. Und hinter den Kulissen hatte Gottmann auch den ehemaligen Regierenden Bürgermeister Walter Momper und Klaus Wowereit, der damals als Vorsitzender im Hauptausschuss des Parlaments über das Geld wachte, längst auf seine Seite gebracht. Und so wurde weitergebaut – die Baufirma finanzierte das Gebäude vor. „Es war eine mutige politische Entscheidung“, sagt Gottmann heute. Ob seine Rechnung tatsächlich so aufgegangen ist, wie er sie aufgestellt hatte, weiß er im Nachhinein nicht. Jedenfalls sei es kein Theater gewesen. „Ich war davon überzeugt“, so Gottmann.

Wie 1981. Damals amtierte er über ein Jahr lang als Direktor eines Museums, das es offiziell noch gar nicht gab. Immer wieder verschob der Senat die Gründung. Und dann kam auch damals eine Finanzkrise, nachdem das Land Millionen in den Wüstensand gesetzt hatte – als Bürgschaft für den gescheiterten Bauunternehmer Dietrich Garski. Nun musste gespart werden, und auf der Streichliste stand auch wieder das Museum für Verkehr und Technik, wie es damals hieß. Doch auch damals zog Diepgen schon die Strippen – zum Vorteil des Museums, dessen Direktor dann doch noch ein eigenes Haus erhielt.

Und jetzt folgt der Neubau. Dass er seinem Nachfolger damit auch ein schwieriges Problem geschaffen hat, gibt Gottmann, der inzwischen im Ruhestand ist, zu. Die Ausstellungsfläche verdoppelt sich nämlich, ohne dass es zusätzliche Stellen für Personal gibt. Doch wie man das fast Unmögliche schafft, hat das Museum schon mehrfach bewiesen. Nun muss es eben ohne Gottmann gehen.

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