Berlin : Mit Waffe herumspaziert

Entwarnung in Marzahn nach Angst vor Attentäter: 16-Jähriger mit Luftgewehr löste Großeinsatz aus

Unter Polizeischutz. So verließen Schüler am Montag die Marzahner Schule. Foto: ddp
Unter Polizeischutz. So verließen Schüler am Montag die Marzahner Schule. Foto: ddpFoto: ddp

„Ein Anschlag war zu keinem Zeitpunkt geplant“. Mit dieser Feststellung beendete die 7. Mordkommission gestern Spekulationen über einen Großeinsatz der Polizei am vergangenen Montag, bei dem rund 330 Beamte rund um ein Marzahner Schulgelände einen angeblichen Attentäter gesucht hatten. Intensive Ermittlungen führten bereits am Dienstag zu einem 16-Jährigen, der am Tag zuvor mit einem Luftgewehr in der Hand in der Nähe der Schule auffällig herumspaziert war und Schüler und Lehrer in Angst und Schrecken versetzt hatte. Der Junge blieb auf freiem Fuß. Gespräche mit ihm hätten ergeben, „dass er nichts Bösartiges plante“, teilte die Polizei mit.

Durch Hinweise aus der Bevölkerung fand die ermittelnde Mordkommission Dienstagfrüh das Luftdruckgewehr des 16-Jährigen in einer Grünanlage in der Nähe der betroffenen Sonderschule für Sprachbehinderte an der Wittenberger Straße. Danach machten die Beamten den Jugendlichen schnell ausfindig. Er habe die Waffe in dem Park versteckt, hieß es gestern. Weshalb er das Gewehr besaß, damit spazieren ging und es später verbarg, hat er den Ermittlern offenbar inzwischen mitgeteilt. Aus Rücksicht auf sein jugendliches Alter will sich die Polizei dazu aber nicht äußern.

Wie berichtet, hatten sich die Lehrer und Schüler am Montagvormittag in den Klassenräumen aus Furcht vor einem möglichen Attentat eingeschlossen. Zwei Zeugen wollten zuvor einen Mann mit einem Gewehr der einstigen DDR-Volksarmee in der Hand auf der Wittenberger Straße gesehen haben. Unabhängig voneinander riefen sie die Polizei sowie die Schule an und lösten so den Großeinsatz aus. Beamte eines Spezialeinsatzkommandos durchsuchten erfolglos das Areal, auf dem sich neben der Sonderschule eine Kindertagesstätte und ein Jugendclub befinden. Über dem Einsatzort kreiste ein Polizeihubschrauber. Doch auch eine spätere Fahndung im gesamten Bezirk blieb ohne Ergebnis.

Erst Mitte Mai hatte die Polizei einen 20-jährigen Schüler festgenommen, der maskiert und mit einer Spielzeugpistole sowie einer Sprengstoffattrappe zu einer Kreuzberger Berufsschule gekommen war. Gegenüber der Polizei gab er später an, er habe einen „Scherz“ machen wollen. Gegen ihn wird wegen Störung des öffentlichen Friedens ermittelt. CS

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