• Mit weißen Linien gegen schwarze Schafe: Kneipiers mit zu großen Schankvorgärten droht Strafe

Berlin : Mit weißen Linien gegen schwarze Schafe: Kneipiers mit zu großen Schankvorgärten droht Strafe

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Zwischen großstädtischem Nachtleben und einer Ordnungswidrigkeit liegt ein schmaler Grat. Er ist etwa vier Zentimeter breit und seit Anfang der Woche als weiße Markierung vor einigen Kneipen der Oranienburger Straße in Mitte zu sehen. Das Tiefbauamt lässt die Linien auf den Bürgersteigen anbringen, um dem Wildwuchs von Biergartentischen und Bänken in dem Kneipenviertel Einhalt zu gebieten. Die Linien markieren, für wieviel Fläche Bürgersteig ein Gastwirt eine "Sondernutzungserlaubnis" hat. Bis hierhin und nicht weiter, besagen sie. Wer sich nicht dran hält, riskiert ein Bußgeld - möglich sind bis zu 20 000, in der Praxis üblich einige hundert Mark.

Das Ausufern der so genannten Schankvorgärten behindere die Passanten, sagte gestern Mittes Baustadtrat Thomas Flierl (PDS). Laut Verkehrsbehörde müsse ein 2,5 Meter breiter Streifen auf den Bürgersteigen frei bleiben. Tische, Werbeschilder oder Sonnenschirme haben dort nichts zu suchen. Stichproben in der Oranienburger Straße zufolge sehe die Realität bislang noch anders aus: "Zwei Kinderwagen konnten sich dort nicht begegnen", sagte Flierl.

Wegen des Kneipentrubels im Szeneviertel Spandauer Vorstadt gehen im Bezirksamt Mitte massiv Beschwerden von Anwohnern ein. Meist wegen Lärmbelästigung, aber auch, weil Fußgänger sich durch Biergartentische behindert fühlen. Die Aktion sei Teil einer Strategie, die klar machen soll, dass das Bezirksamt Auflagen gewissenhaft kontrolliere, sagte Flierl. Die weißen Striche auf dem Trottoir erleichterten Mitarbeitern des Tiefbauamtes und der Polizei die Arbeit. "Sie müssen dann nicht erst den Zollstock anlegen", sagte Flierl. Um die Anwohner zu informieren, habe sein Amt außerdem sämtliche Lizenzen für Schankvorgärten in der Stadtteilzeitung "Scheinschlag" veröffentlicht. Ferner kündigte Flierl verstärkte Kontrollen des Tiefbauamtes an, "eventuell" auch in den Abendstunden.

Die Gastwirte, vor deren Läden nun im Auftrag des Bezirks Anstreicher zugange sind, schwanken zwischen Verständnis und Belustigung. "Ein bisschen übertrieben", sei die Aktion sagte die Inhaberin des Kellerlokals "Assel", die für knapp 30 Quadratmeter Bürgersteig vor ihrer Kneipe rund 700 Mark Sondernutzungsgebühr pro Saison ans Bezirksamt bezahlt. Sie räumte aber ein, dass viele Kneipiers in der Straße Auflagen ignorierten. "Es kommt schon einmal vor, dass ein Gast mit dem Tisch ein Stück rüberrutscht", sagte der Inhaber des Restaurants Mendelssohn. Grundsätzlich dürfe man zudem nicht vergessen, dass jeder Meter Bürgersteig dem Gastronom zusätzliche Einnahmen beschere. "Ohne Biergarten kann man im Sommer gleich schließen."

In der Spandauer Vorstadt wurden nach Angaben Flierls allein in diesem Jahr 310 Schankvorgärten genehmigt, 1999 waren es 240. Wenn sich die Markierungsaktion als Erfolg erweise, werde sie auf andere Kieze im Bezirk ausgeweitet, sagte er.

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