Berlin : Mit Würde laufen lernen

Bei Kinderlähmung gibt es im Kongo kaum Hilfe Ein Projekt will das ändern und bittet um Spenden.

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Wieder mobil. Ein Hilfsprojekt im Kongo unterstützt an Polio Erkrankte dabei, den Weg ins Leben selbstständig zu gehen. Foto: promo
Wieder mobil. Ein Hilfsprojekt im Kongo unterstützt an Polio Erkrankte dabei, den Weg ins Leben selbstständig zu gehen. Foto:...

Die Welt blickt nach nach Afrika, und doch verliert sie große Teile des Kontinents aus dem Blick. Die Menschen spenden vielleicht noch für Ostafrika, für die Dürreopfer, aber für Notleidende in anderen Ländern gibt es kaum öffentliche Aufmerksamkeit. Selten nur haben so auch die behinderten Kinder aus den Armensiedlungen in Nordkivu im Kongo überhaupt die Chance, eine Schule zu besuchen. Oft überleben sie allein durch Betteln oder von schlecht bezahlten Gelegenheitsarbeiten. Dank der Polio-Impfung sind in Deutschland seit Anfang der 90er Jahre keine Kinder mehr von der Kinderlähmung betroffen. Anders im Kongo, und deshalb will der Tagesspiegel innerhalb seiner Weihnachtsspendenaktion „Menschen helfen!“ in diesem Jahr für Kinder sammeln, die mit Kinderlähmung leben müssen.

„Die Krankheit wird dort leider häufig noch als übernatürliche Bestrafung angesehen, so dass die Kinder neben der Lähmung auch noch mit der Verachtung der Menschen gestraft sind“, sagt Anke Mattern-Nolte von der Deutschen Welthungerhilfe e. V. (DWHH). In der Demokratischen Republik Kongo, dem drittgrößten Staat Afrikas, sei die wirtschaftliche und humanitäre Situation schon seit vielen Jahren katastrophal, sagt Mattern-Nolte. Krieg, Unruhen und politische Unsicherheit haben das Land geschwächt. 45,4 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind chronisch unterernährt. Wer krank wird, habe kaum eine Chance auf angemessene Behandlung. Und wenn es der Familie an finanziellen Mitteln fehle, würden gerade Kinder zur billigsten und damit am schlechtesten ausgestatteten Krankenstation gebracht. „Rund ein Viertel der Jungen und Mädchen erleben ihren fünften Geburtstag nicht, da müssen wir helfen“, sagt Mattern-Nolte.

Die Deutsche Welthungerhilfe möchte gemeinsam mit ihrer kongolesischen Partnerorganisation „Stand Proud“ aufklären und Kinder unterstützen, damit sie mit Gehhilfen wieder laufen können. Es werde jetzt zwar öfter geimpft, aber es gebe noch so viele Kinder und Jugendliche, die mit Kinderlähmung leben müssen, sagt Mattern-Nolte. Als langjähriger Partner des Tagesspiegels bei Entwicklungshilfeprojekten hofft die DWHH auf Gelder aus der Aktion „Menschen helfen!“. In der Region Nordkivu und Ituri werden derzeit 250 Kinder und Jugendliche mit Gehbehinderungen unterstützt, deren Eltern zu arm sind, um für eine spezielle orthopädische Behandlung aufzukommen. Sie erhalten ein Operation und eine anschließende Reha-Behandlung, auch der Schulbesuch wird ermöglicht. „Für rund 13 Euro im Monat bekommt ein Kind fachgerechte medizinische Versorgung, eine Unterkunft, Verpflegung sowie die Möglichkeit zum Schulbesuch, Unterkunft und Verpflegung während dieser Zeit“, berichtet Mattern-Nolte.

Seit Beginn des Projektes unter dem Motto „Mit der Mobilität kommt die Würde zurück“ konnten bereits drei Werkstätten zur Herstellung von Prothesen auf- und ausgebaut werden. Mit den neuen Prothesen und Gehhilfen erfahren die Kinder eine Möglichkeit, ihre Behinderung auszugleichen und wieder mobil zu werden. Damit gewinnen sie ein unschätzbares Stück Freiheit. Die Tagesspiegel-Leser können dabei helfen, Kinder in einem Land zu unterstützen, in dem es keine Krankenversicherung und Kindernotfallärzte gibt. Annette Kögel

Spenden bitte an: Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse (BLZ 100 500 00), Konto 250 030 942 – Namen und Anschrift für den Spendenbeleg notieren

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