Berlin : Mit Zwölf zum Schießen

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„Was in Erfurt passiert ist, können wir als Sportschützen nicht nachvollziehen“, hieß es gestern übereinstimmend in Berliner Schützenvereinen. Der Amokläufer aus Erfurt war Mitglied eines solchen Vereins. „Ins Hirn können wir nicht reinsehen“, sagt ein Schütze. Das sei wie mit dem Führerschein. „Nach der Ausbildung kann man auch nicht verhindern, dass ein Jugendlicher mit einem Porsche über die Straßen rast und einen Unfall verursacht.“

Im Schützenverein sind die Regularien streng. Mit zwölf Jahren können Kinder bereits das Schießen lernen. Vor der Aufnahme in den Verein müssen sie zusammen mit den Eltern ein Gespräch mit dem Vorsitzenden führen, sagt ein Mitglied der Sportschützen Spandau 1952. Spätestens nach einer Woche erkenne man dann in der Regel, ob ein Neuling sich für das sportliche Schießen oder nur für die Waffen interessiere. „Waffennarren wollen wir aber nicht“, sagt der Spandauer.

Geschossen wird zunächst mit „Kinderwaffen“, die leichter sind als die großen Gewehre. Ein Jugendwart sei beim Üben stets dabei, alleine dürften die jungen Schützen nicht losballern. Nach etwa einem Jahr könnten die Nachwuchsschützen dann eine Waffenbesitzkarte beantragen, die von den Behörden nur unter strengen Auflagen ausgestellt wird.

Sportschützen erhalten eine gelbe Karte, die zum Besitz von einschüssigen Einzel-Ladern berechtigt. Mit einer grünen Karte darf man auch mehrschüssige Waffen kaufen. Sammler benötigen eine rote Karte. Grundsätzlich berechtigt die Waffenbesitzkarte nur für das Führen von Waffen in Wohnungen, auf Grundstücken und Schießständen. Für den Transport zum Schießstand gibt es Auflagen.

Erst nach dem Ausstellen der Karte können die Schützen eigene Waffen erwerben. Vorher schießen sie mit vereinseigenen Pistolen oder Gewehren. Die Waffen der Vereine dürfen nicht mitgenommen werden. Sie befinden sich im Vereinshaus unter Verschluss. „Und darüber führen wir Buch“, sagt ein Schütze.

Die meisten feuern mit eigenen Waffen, die, so rät ein Vereinsvorstand, auch zu Hause nur in einem abschließbaren Schrank aufbewahrt werden sollten. Welche Waffen erworben werden, sei aber Sache des Einzelnen. Der Erfurter Amokschütze feuerte mit einer so genannten Pumpgun, die beim Sport-oder Tontaubenschießen eingesetzt wird. Eine Waffenbesitzkarte kann im Prinzip jeder beantragen, der nicht wegen einer Gewalttat veurteilt worden ist. Etwa 13 000 Berliner haben eine solche Erlaubnis. Nach Angaben der Polizei lagern mehr als 45 000 scharfe Waffen legal in Haushalten. Zur Zahl der illegal erworbenen gibt es nur Vermutungen.

Gering ist die Zahl jener Personen, die eine Waffe bei sich tragen dürfen. Dafür ist ein Waffenschein erforderlich. Nur rund 500 sind derzeit ausgestellt – meist für Geldtransporteure oder Mitarbeiter von Wachschutzunternehmen.kt

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