• Mitarbeitermangel bei der BVG: Erst ein langes Warten und dann kaum Platz im rappelvollen Bus

Berlin : Mitarbeitermangel bei der BVG: Erst ein langes Warten und dann kaum Platz im rappelvollen Bus

Klaus Kurpjuweit

Als "katastrophal" bezeichnen Busfahrer der BVG derzeit ihr eigenes Angebot. Personalmangel führe dazu, dass Fahrgäste nicht selten fast eine Stunde auf einen Bus warten müssten, weil Fahrten einfach ausfallen. Betroffen waren in den vergangenen Tagen auch die Linien zum Flughafen Tegel und auf dem Kurfürstendamm. Die BVG gab offiziell nur zu, dass es am Sonnabend "Probleme" gegeben hat.

Auf den Betriebshöfen gehören "offene Dienste" nach Informationen des Tagesspiegels inzwischen aber zum Alltag. "Dabei fahren alle, die überhaupt ein Lenkrad halten können", formulierte ein Mitarbeiter drastisch. Dass Werkstattpersonal im Fahrdienst eingesetzt wird, ist bei der BVG seit langem üblich.

Der Verkehrsbetrieb hat in den vergangenen Jahren die Zahl der Mitarbeiter drastisch gesenkt - von fast 30 000 auf etwa 15 000. Gleichzeitig sei das Angebot aber gehalten worden, betont BVG-Chef Rüdiger vorm Walde. Die Produktivität sei um 70 Prozent gestiegen.

Der Personalabbau erfolgte aber oft nicht an der gewünschten Stelle. Mit einem "goldenen Handschlag" gegangen - und nicht ersetzt worden - sind vor allem Mitarbeiter im Fahrdienst. Bis zu 100 000 Mark hatte die BVG als Abgangsprämie ausgesetzt. Dagegen ist die Verwaltung noch immer aufgebläht, wie die BVG selbst zugibt. Wie viele Fahrer im Busbereich derzeit fehlen, konnte die BVG gestern nicht sagen.

Noch ist auch die Hoffnung des Vorstandes und des Personalrates nicht aufgegangen, dass das Stammpersonal der "alten" BVG zum neuen Tochterunternehmen "Berlin Transport (BT)" wechselt, wo die Mitarbeiter bei niedrigeren Tarifen länger arbeiten müssen. Die "BT", mit der die BVG gegenüber der privaten Konkurrenz wettbewerbsfähig werden will, kann deshalb - noch - nicht in die Bresche springen, wenn beim Mutterunternehmen ein personeller Engpass herrscht.

"Wir wundern uns, was sich die Fahrgäste, die viel Geld bezahlen müssen, alles gefallen lassen", sagte gestern ein Mitarbeiter. Erst müssten sie lange auf einen Bus warten und dann im stickigen rappelvollen Fahrzeug sich oft mit einem Stehplatz begnügen.

Unwürdig für Berlin sei dabei vor allem die Situation am Flughafen Tegel. Bedingt auch durch die Großbaustelle auf der Autobahn seien die Busse der Linien X 9 und 109 kaum noch pünktlich. Berlin-Besucher müssten sich deshalb häufig auch dort in überfüllte Busse zwängen. Direkt daneben fährt das Prestigeobjekt der Busflotte, der Schnellbus "TXL", zwar regelmäßig im Zehn-Minuten-Abstand - aber fast leer. Für die Fahrt ist nämlich ein Zuschlag in Höhe von 6 Mark fällig, den nur wenige entrichten wollen.

BVG-Sprecherin Barbara Mansfield sagte: "Probleme im Busbereich sind da." Zumindest der 20-Minuten-Takt sei aber gesichert. Dass Fahrgäste bis zu einer Stunde auf einen Bus warten müssten, sei ihr nicht bekannt. Gut lief der Verkehr am Pfingstsonntag. Da hatte die BVG Fahrer mit einem Zuschlag in Höhe von 200 Mark zum Extradienst gelockt.

Fahrermangel hatte es früher auch schon bei der U-Bahn gegeben. Die BVG ließ dann ebenfalls Züge einfach ausfallen. Zum Teil mussten auch Mitarbeiter in den Führerstand, die als Servicepersonal für Bahnhöfe vorgesehen war.

Wer sein Ziel gegenüber dem Fahrplan um 20 Minuten zu spät erreicht, darf übrigens ein Taxi nehmen. Bis zu 50 Mark erstattet die BVG dann - aber nur nach 23 Uhr.

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