Berlin : Mitgefühl für Christian

Wie türkische Blätter über den Mord in Zehlendorf berichteten

Suzan Gülfirat

Über den Mord an dem siebenjährigen Christian aus Zehlendorf berichteten auch die türkischen Zeitungen in ihren Europa-Beilagen. Anders als in deutschen Zeitungen reichten die dortigen Meldungen aber nicht über 30 Zeilen und ein Fotos des Jungen hinaus. „Seine Leiche wurde auf dem Feld gefunden“, schrieb zum Beispiel die Türkiye am Montag in der Überschrift ihrer bebilderten Nachricht aus sechs Zeilen. Die Polizei ermittle nun, wer den „minik“ Christian umgebracht habe, hieß es mitfühlend am Schluss des Textes. Das Wort „minik“, womit Türkiye „klein“ meinte, bedeutet im Türkischen auch niedlich, winzig, zierlich. Die Milliyet meldete am Mittwoch bebildert und in 30 Zeilen, dass sich herausgestell habe, dass ein Nachbarsjunge der Mörder sei. Die Leser erfuhren in dem kurzen Text auch, dass der 16-jährige mutmaßliche Täter über DNA-Spuren, die an der Leiche gefunden wurden, überführt wurde. Auf die heftige Diskussion, die in der Öffentlichkeit nach dem Mord darüber geführt wurde, wie mit jungen Serientätern – zu denen auch der Verhaftete gehört – umzugehen sei, gingen die Zeitungen nicht ein. Dabei gehören zu den polizeibekannten Gewalttätern auch türkischstämmige Jugendliche.

Über die bewegende Trauerfeier für Christian am Freitag in Zehlendorf berichtete nur noch die auflagenstarke Hürriyet: „Christian wurde mit einer Zeremonie verabschiedet“, hieß es in der Überschrift am Sonnabend. Wäre Christian ein türkischer Junge gewesen, wäre sein Schicksal sicher auf der Titelseite mindestens einer türkischen Zeitung erschienen.

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