Berlin : Mitglied ehrenhalber

Der ADAC feiert seinen Berliner Vorsitzenden Gratulationscour für Wolf Wegener zum 75.

Berlin hat sich wirklich verändert. Nicht im Hotel Kempinski im einstigen West- Berlin, sondern im Adlon Kempinski, also im ehemaligen Ost-Berlin, feierte Wolf Wegener vorab seinen 75.Geburtstag, genauer: feierte der ADAC Wolf Wegener. Und der ist – wie Laudator Arnulf Baring, gleicher Studienjahrgang, gleicher juristischer Repetitor, feststellte – wahrhaftig ein „Repräsentant des alten West-Berlin“. Aber die alte Teilstadt holte den langjährigen ADAC-Vorsitzenden dann doch bald ein. Und zwar in ihrer konzentriertesten Form, den Schöneberger Sängerknaben. Die sangen – wie es sich bei Wegener gehört, der Berlin ein Leben lang treu blieb, ungeachtet zeitbedingter (Evakuierungs-)Aufenthalte in Pommern und Schlesien und dem Sommerhaus in Vence – „Berliner Jungens, die sind richtig“ und machten ihn dann zum 26. Ehrensängerknaben.

ADAC-Vizepräsident Werner von Scheven hatte zuvor die von Wegener beispielhaft vorgelebte Verbindung von erfolgreichem Berufsleben und aktivem Ehrenamt gepriesen. Tatsächlich ist der erfolgreiche Anwalt – der zeitweise das größte Büro in Berlin führte – im ADAC alles gewesen, was man sein kann: Vorstandsmitglied, Vorsitzender, Generalsyndikus, nun einziges Ehrenmitglied unter 16 Millionen Mitgliedern – in Barings Worten: „Wenn man an Wegener kratzt, kommt der ADAC zum Vorschein.“ Der Laudator machte – auf Aufforderung des Jubilars – aus der Festrede fast ein keineswegs schmeichlerisches Psychogramm: „ein typischer Berliner – nicht gerade leise“, dazu umtriebig, nie zufrieden zu stellen, ein höchst wirkungsvoller Anreger und Antreiber, ein Netzwerker von Graden – doch „glücklich in einem ungebremsten Freiheitsgefühl“ und „mit sich im Reinen“.

Erstaunt und zustimmend hörten es Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), Berlins Bürgermeisterin Ingeborg Junge-Reyer, Finanzsenator Thilo Sarrazin (beide SPD), die ehemaligen Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) und Dietrich Stobbe (SPD), der frühere brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD), Bischof Wolfgang Huber. Sowie ein ziemlich vollständiges Aufgebot der Berliner Gesellschaft – von Siemens-Repräsentant Gerd von Brandenstein und Mercedes-Chef Walter Müller bis Herzchirurg Roland Hetzer, von Isa Gräfin Hardenberg bis zum russischen Botschafterpaar Kotenev. Schließlich, aufs Podium gebeten, auch der älteste Freund: Ernst-Richard Matthiensen aus Boston, ein früherer Bank-Repräsentant, der in Amerika nicht weniger als drei deutsche Schulen gegründet hat. Wolf Wegener, den ganzen Abend auf Hochtouren, dankte Familie, Mitarbeitern und Freunden – locker kommentiert: wie es bei Oscar-Verleihungen so geht. Aber ziemlich gerührt war er doch – und strahlte über das ganze Gesicht. Rdh.

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