Berlin : Mitte: Baumprojekt statt Bauprojekt: Leipziger Platz wird langsam grün

C. v. L.

Sophora japonica, der Japanische Schnurbaum, stammt eigentlich nicht aus Japan, sondern aus China und Korea, wo er als heiliger Baum an Begräbnisstätten verehrt wird. Er ist auch nicht mit Schnüren behängt, sondern hat ein lockeres Blattwerk, blüht fast in den Herbst hinein und seine Samen werden in Ostasien gern als Abführmittel verwendet. Stadtentwicklungssenator Peter Strieder pflanzte gestern einen 15-jährigen Schnurbaum in den Leipziger Platz - etwa dort, wo einst die Info-Box stand - und startete damit die zwei Millionen Mark teuren Arbeiten für die geplante Grünfläche.

Bis 2003 werden auf dem bis dahin umbauten Platz zwei große Rasenflächen und 50 Bäume dieser Art gepflanzt, 42 Bänke, ein paar Mauerreste als mahnende Erinnerung und eine Brunnenanlage aufgestellt sein, die künstlichen Nebel verbreiten kann.

Gestern verbreitete frischer Wind kalte Schauer über die Rücken der Anwesenden. Der Senator zitterte ohne Mantel, als er davon schwärmte, dass hier ein großzügiges Angebot für Stadtflaneure entsteht und der Stadtgarten die Cafés und Restaurants rundum noch attraktiver macht. Alle, die ihm zuhörten, schauten ins Rund mit seinen unbebauten Flächen und dachten sich, dass bis dahin noch sehr viel passieren muss. Aber zwei neue Grundsteinlegungen sind in Kürze immerhin angekündigt, und selbst auf dem einstigen Wertheim-Grundstück auf der Ostseite könnte sich bald was tun; es gibt Pläne, um Innenhöfe herum Büros, Geschäfte und Wohnungen zu errrichten.

Zur Feier des Tages war Engelbert Lütke-Daldrup eingeladen, der bis vor fünf Jahren Hauptstadtreferent in der Senatsbauverwaltung war, seither Baudezernent in Leipzig ist. Er half damals, die Planung am Leipziger Platz in Gang zu bringen, jetzt überbrachte er die Grüße Leipzigs und half Strieder beim Einpflanzen des ersten Baums, der irgendwann inmitten eines Rasens blühen wird.

Nach Plänen der Landschaftsarchitektin Heike Langenbach wird der Rasen mit graugelbem Granit eingefasst. Den Garten bewässern Brunnen, die nicht nur frisches Klima versprechen, sondern das Areal bei Bedarf auch vernebeln können. Damit sollen, erklärte der Senator, besondere Stimmungen und eine spezielle Atmosphäre erzielt werden; beleuchtet könne der Platz in der Nacht "geradezu mystische Qualitäten bekommen". Exotische Qualitäten sind eher zu bewundern. Im nächsten Jahr werden sich erste Schmetterlingsblüten mit 25 Zentimeter langen Trauben zeigen - ein später gewohntes Bild. Schnurbäume werden bis zu 1000 Jahre alt.

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