Berlin : Mitte: Buddelnder Bagger ließ Kapelle erbeben

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Die Abrissarbeiten am früheren Palasthotel an der Spandauer Straße in Mitte mussten in den vergangenen Wochen zwei Mal wegen überschrittener Schwingungsmesswerte gestoppt werden. Die Grenzwerte hatte vor Beginn der Arbeiten Anfang des Jahres ein unabhängiges Ingenieurbüro empfohlen. Sie sollen verhindern, dass historische Gebäude in der Nähe der Baustelle wie die Heiliggeistkapelle durch die Arbeiten in Mitleidenschaft gezogen werden.

Nach Angaben der Deutschen Immobilienfonds AG (Difa), die an der Stelle des einstigen Fünf-Sterne-Hotels das "Dom-Aquaree" bauen will, wurden die Schwingungen nicht direkt durch den Abriss, sondern durch einen Bagger ausgelöst, der in einer Baugrube gearbeitet hat. Dies habe eine Untersuchung der Bundesanstalt für Materialforschung ergeben. Man werde bei den Arbeiten künftig "mehr Sorgfalt walten lassen", sagte Difa-Marketing-Leiter Manfred Lohr. Ihm zufolge wurden die empfohlenen Grenzwerte nur leicht überschritten. Sie lägen ohnehin unter den DIN-Werten.

Für den Abriss des alten Palasthotels wurden besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Der 1979 von einer schwedischen Firma errichtete Stahlbetonbau wird nicht mit Abrissbirne oder Dynamit abgetragen, sondern von Baggergreifern zerschnitten. Vor den Arbeiten wurden an der Heiliggeistkapelle Messinstrumente angebracht. Die Ergebnisse werden wöchentlich vom Denkmalschutzamt und der Difa ausgewertet. Der Abriss soll Ende Mai abgeschlossen sein. Mit dem Dom-Aquaree entstehen ein neues 429-Zimmer-Hotel, Büro- und Wohngebäude sowie eine Tagesklinik. Die Difa will auf dem Grundstück rund 870 Millionen Mark investieren.

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