Berlin : Mitte: Klotzig oder klasse? Zoff um Neubau am BE

Tobias Arbinger

Anwohner des Brachgeländes Am Zirkus - besser bekannt als Gelände des alten Friedrichstadtpalastes - haben weiterhin Bedenken gegen Neubaupläne für das Areal. Die Deutsche Immobilien AG aus Hamburg plant ein über 30 Meter hohes Büro- und Wohngebäude. Auf einer Diskussionsveranstaltung am Dienstagabend hat die "Bürgerinitiative Am Zirkus" die Pläne erneut als überdimensioniert kritisiert. Ein Gast bezeichnete das Vorhaben als "Klotz" und "städtebauliche Sünde". Die Investoren sagen hingegen, der Entwurf des Büros Bothe, Richter und Teherani werde hohe Ansprüche an die Architektur erfüllen.

Grafik: Geplante Bebauung auf der Straßenkarte Vorläufigen Plänen zufolge soll das Geschäftshaus neun Etagen, etwa 20 000 Quadratmeter Büro- und 10 000 Quadratmeter Wohnfläche haben. Möglicherweise erhält es eine Glasfassade. Ein überwölbter Innenhof soll an das alte Zirkusgebäude an der Stelle erinnern. Der Deutschen Immobilen AG zufolge soll der Bau zwischen 200 und 240 Millionen Mark kosten. Sie hat das Grundstück von den Erben Max Reinhardts erworben, dessen Großes Schauspielhaus sich hier früher befand. Der Entwurf wurde in einem privaten Auswahlverfahren von den Erben ausgewählt.

Für das Areal läuft derzeit ein Bebauungsplanverfahren. Die Anwohner hatten im November Gelegenheit, Bedenken geltend zu machen - das Bezirksamt Mitte erhielt 37 schriftliche Stellungnahmen. Nach einem ersten Treffen mit dem Bezirksamt und der Bürgerinitiative im Dezember hat die Deutsche Immobilien AG ihren Entwurf um ein Geschoss abgespeckt: Statt 35 soll das Gebäude nun 32,5 Meter hoch werden. Zudem wurde der Abstand zu den Altbauten in der Straße Am Zirkus um 3,50 Meter erweitert.

Der Bürgerinitiative (BI) gehen die Zugeständnisse nicht weit genug. "Die städtebauliche Begründung für eine solche Baumasse reicht hier nicht aus", sagte der Architekt Jürgen Nottmeyer von der BI. Stadtplanungsstadträtin Dorothee Dubrau sagte hingegen, dass bei Neubauten in der Gegend Höhen von 30 Metern "üblich" seien.

Ein Angelpunkt des Streits um die Gebäudefläche von 30 000 Quadratmetern sind angebliche Absprachen zwischen dem Senat und den Reinhardt-Erben im Zusammenhang mit ihren Rückübertragungsansprüchen. Sie hatten damals auf ihre Ansprüche am Deutschen Theater verzichtet und vom Land das Grundstück Spreedreieck bekommen, auf dem der Tränenpalast steht.

Stadträtin Dubrau zufolge gab es auch die Zusage, das Grundstück Am Zirkus besonders massiv bebauen zu dürfen - was eine Wertsteigerung bedeutet. "Zurückzunehmen, was bereits zugesagt war, ist nicht möglich, ohne dass sich das Land schadenersatzpflichtig machen würde", sagte Dubrau. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat eine solche Zusage vor kurzem bestritten. Die Erben des von den Nationalsozialisten vertriebenen Reinhardt hätten in den Verhandlungen eine "legitime Erwartungshaltung" vertreten, sagte Panagiotis Paschalis, früher Vorstand ihrer Deutsches Nationaltheater AG. "Rechtlich durchsetzbar", sei sie nicht.

Das Gelände Am Zirkus hat eine lange Geschichte. 1866 wurde auf dem früheren Holzplatz eine fünfschiffige Markthalle errichtet, die später als Theater und Zirkusarena diente. 1919 ließ Max Reinhardt das Gebäude zum Schauspielhaus umbauen. Später befand sich hier der alte Friedrichstadtpalast. Die Anlage wurde 1985 abgerissen.

Anfang der 90er Jahre wollte ein Investor auf der Brache ein "Haus Dänemark" bauen - daraus wurde nichts. Außerdem gab es für den Platz einen Entwurf des Architekten Peter Eisenman, der dort einen riesigen Torbogen plante.

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