Berlin : Mitte: Löcher im Alten Fritz

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Drei Jahre lang wurde es restauriert, das Reiterstandbild Friedrichs II. Unter den Linden. Das Ergebnis aber sei "das Schlimmste, was einem Kunstwerk passieren kann": die Arbeitsspuren der Künstler seien nicht mehr zu erkennen und unwiderbringlich zerstört. Dies prangern jedenfalls Berliner Restauratoren an. Sie werfen der mit der Restaurierung beauftragten Firma Betina Roß GmbH vile zu grobschlächtiges Vorgehen bei der Behandlung eines der bedeutendsten Berliner Standbilder vor. "Etwa so, als wenn nach einer Reinigung der Mona Lisa Leonardos Pinselführung nicht mehr zu erkennen wäre", sagt Carlo Wloch, ein Steinmetz und öffentlich vereidigter Denkmalpflegegutachter.

Er und andere Berliner Restauratoren seien fassungslos, sagt Wloch. Für die Restaurierung habe die Firma Roß unerfahrene Hilfskräfte eingesetzt. Mit einem "Ultrafeinmeißel" sei die Patina abgeschlagen worden und dabei seien auch alle Plomben, die die Werkstatt des Bildhauers Rauch damals in die gussbedingten Löcher im Denkmal gesetzt habe, hinausgehauen worden. Aus den Fugen des Steinsockels - dessen Bearbeitung Roß an eine Subfirma vergeben hat - schwitze kalk- und salzhaltiges Wasser aus und hinterlasse hässliche Schlieren.

Die eigentliche Schuld treffe aber die Stadt, die die Restaurierung an "unerfahrene Leute" vergeben habe, so Wloch. Schon die Ausschreibung für die Restaurierung sei offenkundig von jemand erstellt worden, der von der Sache keine Ahnung habe. Verschiedene Berliner Firmen hätten sich an der Ausschreibung deshalb nicht beteiligt.

Wloch und zwei andere Berliner Reaturationsbetriebe haben über einen Rechtsanwalt Strafanzeige gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf "Bevorzugung im Amt" und "Verschleuderung von Steuergeldern" gestellt. Zuständig für die Auftragsvergabe war damals der Amtskonservator Heinrich S., nach Wlochs Aussage weder ein Kunsthistoriker noch ein ausgebildeter Restaurator. Gegen S. läuft bereits ein anderes Verfahren wegen Vorteilsnahme, er ist vom Dienst suspendiert.

Die Firma Roß weist alle Vorwürfe von sich und verweist auf eine eidesstattliche Erklärung eines Experten aus dem Landesdenkmalrat, der die sachgerechte Ausführung der Restaurierung bestätigt habe. Aus dem gleichen Grund sieht auch Berlin keinen Anlass zum Misstrauen. "Wenn das alles so schlimm wäre, dann würde ich erwarten, dass man sich schriftlich an uns wendet", sagte eine Senatssprecherin.

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