Mitte : Rote Rosen vom Kardinal

In der St.-Hedwigs-Kathedrale wurden am Sonntag ein ganz besonderer Gottesdienst gefeiert: einer für Ehejubilare. Von frisch verheirateten Paaren bis zu Eheleuten, die bereits seit 70 Jahren verheiratet sind, waten alle Generationen vertreten.

Claudia Keller
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Annemarie und Alfons Jarosch sind seit 50 Jahren verheiratet. -Foto: Steinert

BerlinSie kannten sich schon von der Schule, wuchsen im selben Dorf in Oberschlesien auf. Beim ersten Kuss war sie 19, er 21 Jahre alt. „Wir haben zwei Jahre poussiert, dann wurde geheiratet, im November 1958“, sagt Annemarie Jarosch und greift die Hand ihres Alfons. In zwei Monaten feiern die beiden wieder Hochzeit, diesmal ist es die goldene. „Ja, es hat geklappt mit uns“, sagt Annemarie Jarosch immer wieder und hält weiter Händchen. Auch schwere Schläge des Schicksals haben sie gemeinsam überwunden. Die Tochter starb mit 14 Jahren, und Alfons Jarosch verlor einen Arm in einer Dreschmaschine. „Weil es mit uns geklappt hat, ging auch alles andere weiter“, sagt er. Wichtig sei, dass man Verständnis füreinander habe. Das will der 73-Jährige jungen Paaren mit auf den Weg geben.

Annemarie und Alfons Jarosch stehen vor dem Eingang der St.-Hedwigs-Kathedrale. Es ist Sonntag, kurz vor 14 Uhr. Gleich beginnt ein ganz besonderer Gottesdienst: einer für Ehejubilare. An den Jaroschs vorbei steigen immer mehr Paare die Stufen zur Kathedrale hinauf; weit über 150 Eheleute sind der Einladung Kardinal Georg Sterzinskys gefolgt, wollen Gott für ihren Liebesbund danken und den Segen dafür erbitten.

Die meisten Paare sind nicht mehr die Jüngsten, haben wohl schon die Silberhochzeit gefeiert, aber auch einige junge Leute suchen nach einem Platz in der vollen Kirche, ein paar Frauen sind schwanger. Ein Paar ist seit 70 Jahren verheiratet und hat die „Gnadenhochzeit“ gefeiert. Sie hätten sich mittags spontan entschieden, zu dem Gottesdienst zu kommen, sagen sie. Einige haben heute ihren fünften oder zehnten Hochzeitstag, andere sind erst seit ein paar Monaten verheiratet und wirken noch sehr verliebt. „Die Gemeinsamkeit bei Menschen ist immer zerbrechlich“, sagt Kardinal Georg Sterzinsky, „der Segen des Herrn kann da nur Gutes bewirken.“

In seiner Predigt spricht Sterzinsky viel vom Licht und vom Schatten in einer Beziehung. Beides sei eine Gnade. Eine Krise sei keine Katastrophe, solange die Bereitschaft bestehe, dem anderen zu vergeben und auch die eigene Schuld und Schwäche einzusehen. Dann könne man auch an einer Krise wachsen. Und natürlich lasse sich ein kleiner Schaden einfacher beheben als ein großer, weiß der Kardinal. Also sollte man möglichst schon bei einer Verstimmung aufmerksam werden, spätestens, wenn sich einer zurückziehe. Auch sei wichtig, dass man sich sowohl der guten Zeiten erinnere („sonst wird man böse“), als auch der schlechten Ereignisse, („sonst ist man nicht mehr achtsam“). Nach dem Gottesdienst ließen sich Paare segnen. „Gott gebe euch Kraft, den anderen leben zu lassen und euch nach einem Streit wieder die Hand zu reichen“, sagte der Kardinal und überreichte jedem Paar eine rote Rose. 

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