Mitte : Schneemassen drücken auf die Dächer

In vielen Berliner Bezirken werden Gebäude mit Flachdächern gesperrt. Das Schul- und Sportamt Mitte hat am Dienstag sogar die Schließung aller Turn- und Sporthallen mit Flachdach in Wedding, Mitte und Tiergarten angeordnet.

Sandra Dassler/Sebastian Leber

Immer mehr Gebäude mit Flachdach werden angesichts der Schneelast gesperrt. Das Schul- und Sportamt von Mitte schloss am Dienstag alle Turn- und Sporthallen mit Flachdach in Wedding, Tiergarten und Mitte, vorerst bis zum 3. Januar. „Wir müssen davon ausgehen, dass mehr als 17 Zentimeter Schnee auf den Dächern liegen“, sagte der Leiter des Schul- und Sportamtes Mitte, Ulrich Schmidt, dem Tagesspiegel: „Das haben punktuelle Überprüfungen bestätigt, außerdem liegen auf der Erde teilweise mehr als 30 Zentimeter Schnee.“ Mehrere Aulen in den Obergeschossen von Schulgebäuden sind laut Schmidt ebenfalls von der Schließung betroffen.

Auch in den Bezirken Pankow, Lichtenberg sowie Friedrichshain-Kreuzberg wurden einzelne Turnhallen gesperrt, hier gibt es aber bisher keine grundsätzliche Schließung von Gebäuden mit Flachdächern. Der Bezirk Mitte beruft sich bei seiner Maßnahme auf eine stadtweite Regelung, wonach bei einer Schneelast von 75 Kilo pro Quadratmeter oder ab einer Schneehöhe von 17 Zentimetern alle Gebäude mit Flachdach überprüft werden müssen. Da am Donnerstag die Schulferien beginnen und kaum Unterricht ausfalle, habe man sich für eine Sperrung entschieden, sagte Schmidt. Er hofft, dass der Schnee bis Ferienende bei Tauwetter von alleine weggeschmolzen sein könnte. Erster Schultag ist in Berlin der 4. Januar.

Bereits seit Montag ist die Eishalle 1 im Sportforum Hohenschönhausen wegen der Schneelast gesperrt. Es werde täglich überprüft, ob sie wieder geöffnet werden könne, sagte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Inneres und Sport.

Supermärkte, Bau- und Möbelhäuser sind dagegen bisher nicht von zu großen Schneelasten betroffen. Dem Berliner Handelsverband sind aktuell keine Fälle bekannt. Im vergangenen Winter musste die Feuerwehr gleich mehrfach wegen bedenklicher Schnee- und Eisschichten auf Dächern anrücken: Im Februar wurde sie unter anderem zu einem Baumarkt in der Schöneberger Alboinstraße gerufen, das Dach einer Lagerhalle war dort so massiv mit Schnee bedeckt, dass 20 Feuerwehrleute von Drehleitern aus mit Wasser das Dach freispritzen mussten. Wenige Tage später kam es in Spandau dann tatsächlich zu einem Einsturz: Eine Lagerhalle in der Goltzstraße brach unter der tonnenschweren Last von Schnee und Eis zusammen. Die Schicht hatte zwar lediglich eine Höhe von zehn Zentimetern, durch zwischenzeitliches Auftauen und erneutes Frieren hatte die Masse jedoch stark an Dichte zugenommen. Genau dieses Phänomen könnte in Berlin auch in diesem Winter zum Problem werden, sagen Experten. Denn im Moment sei eine etwa 20 Zentimeter hohe Schneedecke kaum gefährlich, da der Schnee locker auf den Dächern liege. Sollte es aber zwischen den Jahren tauen, dann wieder zufrieren und neuer Schnee folgen, könnten die Lasten rasch zunehmen.

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