Mitte : Sexualtäter vor Gericht, Nazi-Aufmarsch vor der Tür

Die Gegner protestierten lautstark: Rund 80 Vertreter verschiedener linker Gruppen stellten sich den knapp 50 Neonazis entgegen, die am Freitag vor dem Kriminalgericht Moabit aufmarschiert waren. Die Rechten hatten einen Prozess gegen einen mutmaßlichen Sexualtäter zum Anlass genommen, um härtere Strafen für Kinderschänder zu fordern.

BerlinDie Gegendemonstranten warfen ihnen vor, sich auf Kosten missbrauchter Kinder profilieren zu wollen. „Keine Instrumentalisierung von Kindesmissbrauch durch Nazis! Kinder nicht zum zweiten Mal zum Opfer machen!“, riefen sie. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort und hielt die beiden Gruppen durch Straßensperrungen auf Distanz. Zu Zwischenfällen sei es nicht gekommen, sagte ein Polizeisprecher.

Schweigend saß derweil der 68-jährige Bernd S. aus Hohenschönhausen auf der Anklagebank. Er soll zwischen November 2005 und April 2007 in seiner Wohnung drei Jungen sexuell missbraucht und weiteren Kindern Pornos gezeigt haben. Er werde sich derzeit nicht äußern, erklärte der Rentner. Seine kleine Plattenbauwohnung soll ein „Treffpunkt für Kinder“ gewesen sein.

Mit im Saal saß eine Frau, die wenig später in der braunen Szene vor dem Gerichtsgebäude auftauchte. Sie war bis vor einigen Wochen NPD-Funktionärin in Marzahn. Der Prozess betrifft auch sie: Sie soll die Mutter eines Kindes sein, das laut Anklage bei S. auf der Couch saß und ein Porno-Video sah. Bereits im Oktober hatte sie einen Aufmarsch angemeldet. Damals waren 350 Neonazis durch Marzahn gezogen. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. K. G.

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