Mitte : Sonnenbaden auf dem Schloßplatz

Bevor mit dem Bau des Humboldt-Forums begonnen wird, soll der unansehnliche Sandplatz erst einmal als große Liegewiese hergerichtet werden. Bis zum Hochsommer soll das Grün hier sprießen, Holzstege Besucher über das Areal führen.

Marion Schierz[ddp]
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Der Schloßplatz wird zur grünen Wiese, bis erneut die Bagger kommen. -Foto: Mike Wolff

BerlinAuf dem Berliner Schloßplatz können Hauptstädter und Touristen voraussichtlich noch in diesem Sommer ein Sonnenbad nehmen. Bevor im kommenden Jahr der Wiederaufbau des Stadtschlosses zum Humboldt-Forum beginnt, wird Berlins prominente Mitte zur riesigen Liegewiese. Ein Teil des Schloßplatzes ist bereits seit Oktober 2008 mit Rasen und hölzernen Stegen versehen. Jetzt werde die bereits mit Sand verfüllte Fundament-Wanne des auf dem Areal abgerissenen Palastes der Republik "mit versickerungsfähigem Boden in einer Höhe von 20 Zentimetern bedeckt", sagt Gero Heck vom Büro Relais Landschaftsarchitekten, das nach einem Wettbewerb mit der Gestaltung der Fläche beauftragt wurde.

Darauf kommen zehn Zentimeter saftiger Humusboden. Voraussichtlich im Mai würden die Grassamen gesät, sagt Heck. Bei viel Sonne und Feuchtigkeit könne das Grün schon zwei Monate später sprießen. Im Gegensatz zu dem bereits entstandenen robusten "Schotterrasen" werde diese 18.000 Quadratmeter große Grünfläche "gemütlicher und fluffiger" sein, kündigt der Landschaftsarchitekt an.

Spree soll "unmittelbar erlebbar" werden

Dazwischen werden die Stege aus dem ersten Bauabschnitt fortgeführt. Die bereits fertigen Passagen umschließen archäologische Grabungsflächen, die so besser besichtigt werden können. Auf einem Teil der Stege sind Informationstafeln montiert, die über die Geschichte des Ortes, auf dem einst das 1950 gesprengte Stadtschloss der Hohenzollern stand, den Abriss des Palastes der Republik und die Planungen zum künftigen Humboldt-Forum Auskunft geben.

Die zweieinhalb Meter breiten Stege sind aus unbehandelter europäischer Lärche. Die riesige Liegewiese wird sich mit einem Gefälle zum Ufer der Spree neigen. Die Wasserlage und die vorbeiziehenden Schiffe sollen so unmittelbar erlebbar werden. Unter der Rasenschräge befinden sich noch Kellerfragmente des Palastes der Republik.

Grünfläche wird Ende 2010 wieder abgebaut

Die Wiese wird durch 45 Zentimeter hohe Böschungen mit aufgeständerten Stegen unterbrochen, auf denen die Besucher künftig sitzen und den Ausblick auf die Spree genießen können. Insgesamt kostet die Gestaltung des Platzes 1,3 Millionen Euro, die zu 64 Prozent vom Bund und zu 36 Prozent vom Land Berlin getragen werden.

Zur sogenannten Übergangsnutzung des Schlossareals gehört auch die privat finanzierte temporäre Kunsthalle, die im Oktober 2008 eröffnet worden war. In den blauen Bau mit einer weißen stilisierten Wolke kamen seither 55.400 Besucher zu Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Dort werden bis Ende 2010 acht Schauen gezeigt. Dann verschwindet die Kunsthalle samt Rasen und Holzstegen wieder, und es beginnen voraussichtlich die Bauarbeiten für den Neubau in der Kubatur des Stadtschlosses - das Humboldt-Forum.

In dem vom Haushaltsausschuss des Bundestags beschlossenen Kostenrahmen von 552 Millionen Euro sind auch die 80 Millionen Euro für die barocken Fassaden enthalten, die ein Förderverein durch Spenden aufbringen will. Einen Teil der 40.000 Quadratmeter Nutzfläche des Humboldt-Forums wird neben der Humboldt-Universität und der Zentral- und Landesbibliothek die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit den außereuropäischen Sammlungen nutzen.

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