Mitte : Womackas Wandbild abgebaut

Walter Womackas Wandbild in der Breite Straße wird vorerst eingemottet – 1,2 Tonnen in 360 Teilen.

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Bau ab, bau ab. Gestern begann die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) mit dem Abnehmen des Wandbildes „Der Mensch, das Maß aller Dinge“ am ehemaligen Bauministerium der DDR in Mitte. Sobald sich ein geeigneter Giebel findet, soll Womackas 15 Meter hohes und sechs Meter breites Werk wieder aufgehängt werden. Foto: Thilo Rückeis
Bau ab, bau ab. Gestern begann die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) mit dem Abnehmen des Wandbildes „Der Mensch, das Maß aller...

Der Kran steht bereit, 18 Holzkisten warten. Gestern begann die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) mit dem behutsamen Abbau des monumentalen Wandbildes „Der Mensch, das Maß aller Dinge“. Die 15 Meter hohe und sechs Meter breite farbige Darstellung eines kraftvollen Mannes im Outfit eines Bauarbeiters, der im Mittelpunkt seines Universums zu stehen scheint, ziert seit 1968 einen Giebel des ehemaligen Bauministeriums der DDR an der Breiten Straße in Mitte. Das Bild besteht aus 360 emaillierten Kupferplatten, es wiegt 1,2 Tonnen und ist kaum noch sichtbar, denn die vor 42 Jahren gepflanzten Bäume sind längst über den Mann am Bau hinausgewachsen. Und das Gebäude, an dem die 50 mal 50 Zentimeter großen Platten befestigt sind, soll demnächst abgerissen werden. Was tun? Ja, was tun! sagte sich die WBM – und sorgt nun dafür, dieses Zeugnis baugebundener Kunst zu erhalten.

Womackas Wandbild abgebaut
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1 von 5Foto: Thilo Rückeis
05.10.2010 12:11Walter Womackas Wandbild wird eingemottet.

Kunst am Bau hatte in der DDR einen hohen Stellenwert, in Berlin vor allem stand der langjährige Rektor der Kunsthochschule Weißensee, Walter Womacka, an der Spitze der Monumentalkünstler – dass er auch ganz anders konnte, zart malen, sinnlich, wurde erst nach der Wende sichtbar, als er rastlos versuchte, den Verlust seiner Ideale mit Bildern und Grafiken unterschiedlichster Genres zu verarbeiten. „Staatskünstler“ war gewiss nur eine Seite des vor 17 Tagen verstorbenen Malers mit einer großen Bandbreite. Als vor 15 Jahren sein Wandbild im Foyer des DDR-Außenministerium entsorgt wurde, krähte kein Hahn – jetzt ist alles anders.

Ein Freundeskreis mit inzwischen 100 Mitgliedern kümmert sich um Womackas Werk, und die WBM, die die 875 Quadratmeter große „Bauchbinde“ am Haus des Lehrers sanierte, sichert nun auch den Mann vom Bau, schließlich steht das Glasmosaik im einstigen Staatsratsgebäude längst unter Denkmalschutz. „Unser gegenwärtiges Engagement für jüngere Architektur und Kunst des letzten Jahrhunderts ist auf die Zukunft gerichtet“, sagt Steffi Pianka, die Pressesprecherin der WBM, und bezeichnet Walter Womacka als malenden „Weltbürger und Pazifist“. Und was geschieht nun mit den 18 Kisten? Wann wird das Puzzle wieder ausgepackt und aufgebaut? Und wo? „An einem noch zu sanierenden Haus. Wir haben jede Menge Giebel.“

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