Berlin : Mittelschicht kann sich Mitte bald nicht mehr leisten

Berlin macht sich – und das Leben wird teurer. So wie in allen Metropolen Europas. Der Aufschwung trägt eine kleine Schicht nach oben. Aber viele werden abgehängt. Ihnen droht ein Leben am Rande – am Rande der Stadt und der Gesellschaft. Von Ralf Schönball

Damit ist es nun vorbei: Der gemütliche Kiez im beschaulichen Berlin. Berlin wird Metropole, und das in schwindelerregendem Tempo. Das erfährt vor allem, wer sich verändert – oder verändern muss. Nehmen wir ein Paar, das Nachwuchs erwartet und deshalb umziehen will. Es wird schnell feststellen: Wohnungen sind in der Stadt richtig teuer geworden. Denn seit Jahren steigen die Mieten stetig und die Nebenkosten sprunghaft, während die Einkommen der Haushalte sinken.

Diese Schere öffnet sich für die meisten Berliner immer weiter. Vielen macht das Angst. Denn die Gegensätze verschärfen sich. Schon heute sagen Experten eine Wohnungsnot voraus. Diese betrifft nicht alle Berliner, dafür aber die große Schar der Geringverdiener. Darunter sind Migranten, unqualifizierte Hilfskräfte, überqualifizierte Akademiker, Alleinerziehende, Hartz-IV-Empfänger und Selbstständige in kreativen Berufen. Wenn einer von ihnen seine Wohnung verliert, muss er oft auch seinen Kiez verlassen. Denn die bezahlbaren Wohnungen gibt es fast nur noch in den Großsiedlungen am Stadtrand. Wer will da aber schon hin, wenn durch den Umzug die sozialen und beruflichen Netzwerke reißen? Dann lieber im Zentrum bleiben – und dafür große Teile des Einkommens opfern, arm leben – sexy wohnen.

Richtig sexy ist Berlin, aber nur für die Gruppe, die sich das Zentrum leisten kann. Mittdreißiger sind es oft, sagt ein Investor, die sich den Luxus der Townhouses leisten – von ihrem Erbe.

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