Berlin : MKS: Gesundheitssenatorin bildet Krisenstab

Ingo Bach

Obwohl sich der Verdacht auf Maul- und Klauenseuche in Brandenburg nicht bestätigt hat, bereitet sich Berlin darauf vor, dass die Seuche auch hiesige Viehbestände gefährden könnte. Gesundheitssenatorin Gabriele Schöttler gründete einen Arbeitsstab, der am Montag abend vorbeugende Maßnahmen beschlossen hat.

Zunächst beschränkt sich der Krisenstab auf Appelle an die Berliner Bevölkerung. So sollten Reisende, die aus den von der Seuche bereits betroffenen Ländern nach Berlin zurückkehren - also Großbritannien, Nordirland und die Türkei -, den Tierpark und den Zoo mindestens eine Woche lang nicht besuchen, um die Klauentiere dort nicht zu gefährden. Außerdem bat die Gesundheitsverwaltung Bürger, die nicht gemeldete Klauentiere halten, dies den Veterinärämtern mitzuteilen. "Damit die Amtstierärzte auch diese Tiere im Auge behalten können", sagt Klaus-Peter Florian, Pressesprecher der Gesundheitsverwaltung.

Hintergrund:
Sicherheitsvorkehrungen aus Angst vor Maul- und Klauenseuche

Die Zahl der durch die Maul- und Klauenseuche gefährdeten Nutztiere in Berlin ist überschaubar. Laut Gesundheitsverwaltung werden derzeit in der Stadt 750 Rinder, 400 Schweine, 260 Schafe und wenige Ziegen gehalten. Hinzu kommt allerdings eine unbekannte Zahl von Haustieren dieser Arten.

Der Arbeitsstab fordert die Berliner auf, Lebensmittelreste in Hausmüll- und Biotonnen zu entsorgen, in den Parks und Wäldern stehen dafür Abfallbehälter bereit. Damit will man die Wildschweine von den Lebensmitteln fern halten, denn sie sind potenzielle Krankheitsüberträger.

Auch Fleisch-, Wurst- und Molkereiprodukte aus den Seuchengebieten sind gefährlich, weil sie mit den Erregern kontaminiert sein könnten. Die Veterinärämter suchen seit zehn Tagen nach solchen Produkten in Berliner Geschäften, sind aber nach Auskunft der Senatsgesundheitsverwaltung noch nicht fündig geworden.

Obwohl mittlerweile ein Impfstoff gegen die Maul- und Klauenseuche zur Verfügung steht, ist eine Impfung keine Alternative, um die Seuche einzudämmen, sagt Klaus-Peter Florian. "Die befallenen Tiere bleiben zwar gesund, aber sie tragen den Erreger in sich." Damit sind sie nicht mehr zu verkaufen - eine wirtschaftliche Katastrophe für den Halter. Deshalb wurde 1991 europaweit ein Impfverbot gegen die Maul- und Klauenseuche und die Schweinepest ausgesprochen.

Trotz der Vorsorge befürchten Experten einen Ausbruch der Seuche in Deutschland: "Die Viren können überall sein, an Autoreifen, an der Kleidung, sie können sogar durch die Luft fliegen", sagt Sieglinde Laarmann, Amtstierärztin von Charlottenburg-Wilmersdorf. Damit sei eine Ausbreitung "eigentlich fast nicht mehr zu verhindern."

Sollte die Seuche in Berlin ausbrechen, werde entsprechend dem Tierseuchengesetz gehandelt, sagt der Sprecher der Gesundheitsenatorin. Das heißt, die befallenen Tierbestände werden unter Quarantäne gestellt und getötet. Als Entschädigung erhalten die Landwirte keine Steuergelder, sondern Geld aus der "Seuchenkasse". Die Höhe der Beiträge zu dieser staatlichen Pflichtversicherung ermittelt die Senatswirtschaftsverwaltung nach der Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs von Tierseuchen. Auch die Anfälligkeit der Nutzvieharten für bestimmte Erkrankungen wird in den Beiträgen berücksichtigt, ebenso die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Betriebe. "Ziel ist, dass mit den eingezahlten Beiträgen der statistisch zu erwartende Schaden abgedeckt ist", sagt Dietlinde Lohmann, für die Landwirtschaft zuständige Abteilungsleiterin in der Senatswirtschaftsverwaltung. Die Kasse sei derzeit gut gefüllt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar