Mobbing : Rechtsprofessor nennt Emmely "notorische Lügnerin"

Der Fall der wegen entwendeter Pfandbons in Höhe von 1,30 Euro gekündigten Berliner Kassiererin erregte die Gemüter und weckte Sympathien; jetzt lässt ein renommierter Münchner Rechtsprofessor die unter dem Namen "Emmely" bekannt gewordene Frau in anderem Licht erscheinen.

Jost Müller-Neuhof

„Barbara E. ist eine notorische Lügnerin“, schreibt Volker Rieble, Inhaber des Lehrstuhls für Arbeitsrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität in der „Neuen Juristischen Wochenschrift“. Die Berliner Staatsanwaltschaft fordert er auf, gegen Emmely wegen „Vortäuschens einer Straftat“ zu ermitteln, weil sie Kolleginnen im Supermarkt erwiesen falsch verdächtigt habe, ihr die Pfandbons untergeschoben zu haben. „Gerade wegen der von Frau E. betriebenen Kampagne, die die Berliner Gerichte massiv angreift und den Rechtsstaat in Frage stellt, besteht ein erhebliches öffentliches Interesse, die Straftaten zu ahnden“, schreibt Rieble.

Der Kassiererin war von ihrem Supermarkt im vergangenen Jahr gekündigt worden. Man hatte ihr vorgeworfen, die im Ladengeschäft aufgefundenen Pfandbons eines Kunden angenommen und für sich eingelöst zu haben. Ihre Klage gegen die Kündigung wiesen die Berliner Gerichte in zwei Instanzen ab. Der Wert der Pfandbons spiele keine Rolle, der Verlust des Vertrauens in eine Kassiererin, die mit ihr anvertrautem Geld umzugehen habe, sei entscheidend, hieß es. In der Öffentlichkeit gab es dennoch viel Unterstützung für Emmely. Politiker hatten die Urteile vor dem Hintergrund der Finanzkrise scharf kritisiert, „barbarisch und asozial“ nannte sie Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse. Ende des Monats entscheidet das Bundesarbeitsgericht in dem Fall.

Emmely sei nicht nur „hinreichend verdächtig, sondern überführte Täterin“, schreibt jetzt der Arbeitsrechtler Rieble. Auch anderen Betrieben sei die Frau nicht zuzumuten: Wer Kollegen falsch beschuldige, sei eine „erwartbare Störung des Betriebsfriedens“.

Ihren weiteren Weg durch die Instanzen – Emmely will demnächst auch vor das Bundesverfassungsgericht – sieht der Münchner Jurist aussichtslos: „Ihre Rechtsverfolgungsstrategie baut auf Lug und Trug; selbst vor dem vorsätzlichen Anschwärzen einer Kollegin schreckt die Straftäterin nicht zurück. Wer für diese Person eintritt, zeigt vor allem, dass es nicht um die Sache, sondern um Kampagne geht.“

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