Berlin : Mode für berufstätige Frauen von Anna von Griesheim

Susanna Nieder

Als Anna von Griesheim kurz vor dem Mauerfall nach Berlin kam, hatte sie ein bestimmtes Bild im Kopf. Ihre Vorstellung vom Esprit und der Weltläufigkeit der geteilten Stadt mit ihrer Geschichte und ihrem 20er-Jahre-Mythos waren der gebürtigen Münchnerin von älteren Familienmitgliedern übermittelt worden, die von hier stammen. Ein Übriges tat ihre dreijährige Ausbildung bei Elise Topell in Wiesbaden, einer prominenten Vertreterin der traditionellen Berliner Couture, die ihren Salon 1948 nach Hessen verlegte. "Es war dann ganz anders", kommentiert Anna von Griesheim trocken ihre eigenen Berlin-Erfahrungen.

1991 gründete sie 25-jährig ihr Label und eröffnete ihren Laden am Ludwigkirchplatz in Wilmersdorf. Nicht Nostalgie, sondern eher ein Hauch der Eleganz vergangener Jahrzehnte charakterisiert ihren Stil. Dabei fühlt man sich nur gelegentlich direkt an eine bestimmte Epoche erinnert. Anna von Griesheim historisiert nicht, ihre Entwürfe sind zeitgemäß.

Vielleicht ist es ihre Freude an verhaltenem Luxus, die vermuten lässt, dass ihr ursprüngliches Berlinbild nicht ganz von der rauen Wirklichkeit verdrängt wurde. Man denkt entfernt an die selbstbewussten, gut gekleideten Frauen aus Hollywoodfilmen der 30er und 40er Jahre.

Ihre Zielgruppe sind berufstätige Frauen mit überdurchschnittlichem Einkommen, doch ihre Mode ist erheblich femininer als das klassische Business-Kostüm. Die Schnitte betonen den Körper, ohne ihn auszustellen, Eleganz ergibt sich schon aus den hochwertigen italienischen und französischen, meist unifarbenen Stoffen. Modische Details setzt Anna von Griesheim äußerst sparsam ein, obwohl sich ihre kreativen Möglichkeiten gerade in etwas ausgefalleneren Modellen wie einem schmalen, eckigen Poncho mit zwei frontalen Schlitzen für die Arme und einer Tasche vor dem Bauch zeigen oder in einem rötlichen Abendkleid, dessen Mieder aus rotem Samt wie provisorisch gewickelt aussieht.

Zu Mode, wie Anna von Griesheim sie entwirft, passen Hüte ebenso wie Pelz (sie arbeitet mit dem Salon Susanne Gäbel und Tim Giesecke Pelz + Leder zusammen). Es wird auch noch deutlich unterschieden zwischen Tag und Abend. Ein Abendkleid besteht zum Beispiel aus rot changierendem Taft, ist dem Oberkörper in schlichter Etuiform angepasst und besitzt einen ausgestellten langen Rock.

Wenn die Trägerin sich umdreht, sieht man tief in ihrem Rücken große Taftrosen, der Rock läuft in einer angedeuteten Schleppe aus. Das wirkt nicht opulent, dazu sind die Linien zu klar, und auch nicht schlicht, dazu ist es viel zu prächtig. Weiblich wirkt es und elegant. Im "Espace Créateurs" ist Anna von Griesheim neben quasi moda die einzige Vertreterin einer solchen Linie.Die Schau von Anna von Griesheim beginnt heute um 19 Uhr.

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