Berlin : Mode: Jacke wie Hose

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Ein nackter Mann ist ja für so manches zu gebrauchen: Man kann zum Beispiel versuchen, ihm in die Tasche zu greifen. Das ist problematisch. Oder man kann ihn auf Einladungskarten drucken. Das ist noch problematischer. Denn die Gäste bekommen beim Anblick eigenwillige Assoziationen. Es glaubte am Samstagabend auf dem Weg ins Stilwerk zwar keiner, sich bald in delikaten Situationen wiederzufinden. Dagegen sprach schon der Titel der Veranstaltung "Urban Designwear Show".

Mit dem Tipp "Bademoden" verriet sich beim Warten bei gesponsertem Kambucha-Getränk und käuflichen Prosecco der gänzlich Unbefleckte in Fragen urbaner Designerkleidung. Naja, und "Underwear" hörte sich zwar ziemlich professionell an, doch auch diese Vermutung in Richtung Schlüpfer-Schau führte in die Irre, wie sich später herausstellte. Dahinter steckte die zwanzig Minuten-Modenschau des Berliner Modelabels Coration und seiner Schöpferin Cora Schwind. Und deren Ideen beschränken sich nicht auf die Verhüllung edler männlicher Teile, sondern gehen aufs Ganze: Jacke wie Hose, Pullover wie Pullunder, T-Shirt wie Sweat-Shirt. Mit freundlichen Interesse betrachtete die Dachterrassengesellschaft - darunter Ex-CDU-Senator Peter Kurth -, wie Coration den Mann des Sommer 2002 sieht: sehr trendy, aber nicht geckenhaft. Gedeckte Töne dominieren. Die Schnitte körperbetont, aber auch lässig. Die Teile lassen sich gut kombinieren. Die Coration-Linie wirkt praktisch und passt zu Job und Freizeit.

Schließlich konnten die Modenschau auch jene Erwartungen erfüllen, die an die Nackte-Mann-Einladung geknüpft waren: Die Models zeigten Haut, indem sie Unterwäsche durch den kühlen Samstagabend trugen. So manchen Zuschauer fröstelte - in Anbetracht gestählter Körpermitten und eigener Unzulänglichkeiten.

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