Berlin : Mode schlägt Film – Studiochef enttäuscht

Babelsberg-Boss wirft Wowereit Wortbruch vor Marathon-Messe zieht ebenfalls nach Tempelhof

Sabine Schicketanz/Lars von Törne

Die Kritik an Klaus Wowereit nimmt an Schärfe zu. Die Entscheidung des Regierenden Bürgermeisters, große Teile der Tempelhofer Flughafengebäude an die Modemesse „Bread & Butter“ zu vermieten, hat am Montag nicht nur zu Kontroversen im Stadtentwicklungsausschuss geführt. Auch der Vorstand der Studio Babelsberg AG, Christoph Fisser, kritisierte mit ungewöhnlich harten Worten das Vorgehen Wowereits, durch das eine Nutzung Tempelhofs durch die Filmstudios unmöglich geworden sei. Er warf Wowereit Wortbruch vor: Der Regierende Bürgermeister sowie Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (beide SPD) hätten ihm „persönlich versprochen, dass es keine langfristigen Einzelmietverträge geben wird. Wir hatten das Wort des Regierenden“. Er sei von Wowereit „menschlich enttäuscht“, sagte Fisser den Potsdamer Neuesten Nachrichten und dem Tagesspiegel. Ihm sei stets gesagt worden, dass Tempelhof zur Nachnutzung ausgeschrieben werden müsse. „Plötzlich gilt das alles nicht mehr.“ Die Modemesse wird, wie berichtet, in den nächsten zehn Jahren sämtliche Hangars, das Vorfeld und die Haupthalle zweimal jährlich für je zwei Monate mieten. Eine dauerhafte Nutzung der Hallen durch andere ist so ausgeschlossen. Gleichzeitig steht jetzt fest, dass auch eine zweite Messe nach Tempelhof zieht: die Berlin-Vital, die parallel zum Berlin-Marathon stattfindet.

Studiochef Fisser mag sich mit Wowereits Begründung nicht abfinden, dass die Modemesse für Berlin wirtschaftlich die beste Lösung sei. „Jeder internationale Film, den wir in den Tempelhofer Hangars drehen, würde mehr Geld nach Berlin bringen als die Messe“, sagt Fisser.

Gefragt, ob die Studio Babelsberg AG Berlin wegen der Entscheidung verklagen will, sagte er: „Diesen Schritt halten wir uns weiterhin offen.“ Er fordert Wowereit auf, alle Zahlen offenzulegen.

Ähnliche Forderungen stellt auch die Opposition im Abgeordnetenhaus. Sie hatte am gestrigen Montag eine Sondersitzung des Stadtentwicklungsausschusses einberufen. Die Opposition warf SPD und Linken vor, eine Befragung Wowereits im Ausschuss zu verweigern. Die Regierungsparteien wiesen das zurück. Am Schluss einigten sich alle bei Enthaltung der CDU darauf, Wowereit und andere am Verfahren Beteiligte nächsten Montag in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Hauptausschuss zu befragen.Sabine Schicketanz/Lars von Törne

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