• Modell Tankstelle: Sommerbäder werden verpachtet Betriebsrechte werden privatisiert Eintritt soll nicht teurer werden

Berlin : Modell Tankstelle: Sommerbäder werden verpachtet Betriebsrechte werden privatisiert Eintritt soll nicht teurer werden

Claudia Keller

Die Bäderbetriebe müssen sparen. Deshalb suchen sie langfristig für alle Bäder private Betreiber. Dieses Jahr sollen vier Freibäder verpachtet werden: Jungfernheide, Müggelsee, Grünau und Wernersee. Acht sind bereits in privater Hand. „Nächstes Jahr sind die 14 Sommerbäder dran“, sagt Bäderchef Klaus Lipinsky. Die Fahne der Bäderbetriebe möchte er aber auch künftig vor dem Eingang aller Bäder wehen lassen. Die Bäderbetriebe bleiben Eigentümer der Bäder, verpachtet werden soll nur das Betriebsrecht – „wie bei einer Tankstelle“, so Lipinsky.

Freibäder nennt man die Bäder an natürlichen Gewässern, im Unterschied zu den Sommerbädern, die über künstlich angelegte Becken verfügen. Insgesamt gibt es in Berlin 27 Frei- und Sommerbäder. Nur das Wannseebad wollen die Bäderbetriebe wegen der anstehenden Umbaumaßnahmen behalten und lediglich für das Restaurant einen privaten Investor suchen.

Um zu verhindern, dass die neuen Pächter der Sommerbäder die Preise drastisch erhöhen und verbilligte Karten für sozial Schwache streichen, sollen entsprechende Klauseln in die Pachtverträge hineingeschrieben werden, sagt Bäderchef Lipinsky. Durch die Pachteinnahmen könne man die Erhaltung der Bäder garantieren und die weniger guten Standorte finanziell stützen. Um die Verpachtung der Sommerbäder attraktiver zu gestalten, kann sich Lipinsky vorstellen, dass die Bäderbetriebe einen Zuschuss für die Betriebskosten zahlen. Denn durch die Wasseraufbereitung in den Schwimmbecken ist es wesentlich teurer, ein Sommerbad zu betreiben als ein Freibad.

Die Privatisierung aller Frei- und Sommerbäder ist Teil eines umfassenden Konzeptes, mit dem die Bäderbetriebe saniert werden sollen. Der erste Schritt ist die Umwandlung der Bäderbetriebe in eine GmbH, in die die insgesamt 64 Bäder überführt werden sollen. Der Aufsichtsrat der Bäderbetriebe hat diese Umstrukturierung vergangenen Oktober beschlossen, derzeit wird sie noch im Senat diskutiert. Sportsenator Klaus Böger (SPD) steht hinter diesem Konzept und sagt: „Berlin muss das Schwimmen und Schwitzen nicht staatlich betreiben“. Er setzt sich für die Privatisierung der Bäderbetriebe ein, weil nur so die Bäder langfristig gesichert werden könnten. Lipinsky beziffert die Kosten dafür auf 88 Millionen Euro.

Ein wichtiges Ziel der Bäderprivatisierung ist die Einsparung von Mitarbeitern. Als GmbH müssten die Bäderbetriebe ihre Mitarbeiter nicht mehr nach den Tarifen für den öffentlichen Dienst bezahlen. Bis Ende diesen Jahres werde sich für das Personal aber gar nichts ändern, beschwichtigt Lipinsky. Bis dahin gilt die ausgehandelte Beschäftigungsgarantie. Danach sind betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen.

Nach Angaben der Bäderbetriebe werden 58 Mitarbeiter in der eigenen Verwaltung und 152 in der Bäderverwaltung der Bezirke beschäftigt.

Wer ein Freibad pachten will, kann bis 27. Februar die Ausschreibungsunterlagen anfordern. Adresse: Berliner Bäder-Betriebe, Abt. Einkauf, Sachsendamm 2-4, 10829 Berlin. Zuvor muss er zehn Euro Gebühr überweisen auf das Konto 29 70 062 103 bei der Landesbank Berlin, BLZ 100 500 00 unter Angabe der Vergabe-Nr. 01/2004.

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