• Modellprojekt in elf Straßen soll nächtlichen Autolärm verringern / Beschränkungen der Geschwindigkeit und Durchfahrtverbote geplant

Berlin : Modellprojekt in elf Straßen soll nächtlichen Autolärm verringern / Beschränkungen der Geschwindigkeit und Durchfahrtverbote geplant

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Anwohner besonders lauter Straßen könnten im nächsten halben Jahr etwas ungestörter schlafen - wenn das neue Modellprojekt zur Lärmminderung Erfolg hat. In elf Straßen gilt dann von 22 bis 6 Uhr ein Tempolimit, oder die Durchfahrt wird ganz verboten. "Es sind Gebiete, in denen tagsüber ein Lärmpegel über 65 Dezibel herrscht und nachts etwa 55 Dezibel gemessen wurden", erläutert Olaf Gröndahl von der Senatsumweltverwaltung. Zu den Auswahlkriterien gehörte außerdem, dass eine große Zahl von Anwohner an der lauten Straße lebt und dass es eine geeignete Umleitungsstrecke für die Zeit der Sperrung gibt.

Eine Lärmminderung soll durch drei Maßnahmen erreicht werden: So müssen sich die Autofahrer ab sofort nachts an eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern halten. Die dazugehörigen Schilder sind seit einigen Tagen unter anderem in der Köpenicker Bahnhofstraße zu finden, an der rund 300 Menschen dem Verkehrslärm ausgesetzt sind. Auch an der Oberschöneweider Edisonstraße, durch die sich täglich bis zu 40 000 Fahrzeuge quälen, gilt jetzt nachts Tempo 30. Für den Wittenauer Eichborndamm, die Steglitzer Schildhornstraße und die Prenzlauer Promenade in Weißensee ist die neue Regelung verbindlich.

Ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen wurde dagegen nachts für die Neuköllner Silberstein- und die Reinickendorfer Scharnweberstraße verhängt. "Beide Gebiete können problemlos über die Stadtautobahn umfahren werden", begründet Gröndahl. Die dritte Form, Straßen vom Lärm zu entlasten, bezieht sich auch auf Lkw-Fahrer. Sie sollen beispielsweise an der Rheinstraße Schildern mit einem gelben Pfeil folgen, der sie am Wohngebiet vorbei lotst. Gleiches gilt auch für einen Teil von Lichtenrade.

Eine erste Auswertung des Modellprojektes erfolgt in zwei Monaten. Der Lärmpegel wird gemessen und die Zahl der Fahrzeuge erfasst. Die Polizei kontrolliere natürlich die Einhaltung der neuen Regelungen, sagt Gröndahl, allerdings nicht ständig, sondern routinemäßig.

Wenn die Anwohner tatsächlich von der Geschwindigkeitsbegrenzung und dem Durchfahrtsverbot profitieren, sei es denkbar, die Einschränkungen auf Dauer bestehen zu lassen, sagt der Senatsmitarbeiter. Auf jeden Fall werde sich das positiv auf die Lebensqualität auswirken. Schließlich seien die Anwohner durch den andauernden Lärmpegel akut gefährdet. "Auch wenn sie glauben, dass sie sich längst an den Krach gewöhnt haben", meint Gröndahl. So ergaben wissenschaftliche Studien, dass Anwohner lauter Straßen häufiger an Kopfschmerzen leiden und mit Herz- Kreislaufbeschwerden kämpfen. Auch Magen-Darm-Erkrankungen sind in lauten Wohngegenden öfter zu beklagen.

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