Berlin : Models ohne Modelmaße

Diana Briant hat eine Agentur für Menschen mit ungewöhnlichem Aussehen

Andreas Voigt

Es klickt und blitzt unaufhörlich – Fotoshooting in der Modelagentur. Vor der Kamera posiert die 21-jährige Fine. Die Berlinerin ist nicht gerade das, was man sich unter einem Traum-Model vorstellt. Fine ist Punk, ihre Maße sind fernab des Ideals 90/60/90. Mit ihren zerschlissenen Klamotten und bunten Haaren würde sie bei fast jeder anderen Modelagentur Kopfschütteln verursachen. Nicht so bei Diana Briant.

Die gebürtige Duisburgerin betreibt seit April 2006 die Modelagentur „Autseider“ in Prenzlauer-Berg. „Meine Models sind Menschen mit kleinen Schönheitsfehlern wie etwa zu großen Ohren oder einer besonders prägnanten Nase“, sagt die 36-Jährige. In ihrer Datenbank hat sie neben Punks wie Fine auch Gothics-Fans, Ganzkörper-Tätowierte und manchmal sogar Obdachlose – allesamt keine Ladenhüter. „Die Film- und Werbebranche verlangt zunehmend nach authentischen und ungewöhnlichen Gesichtern“, sagt Briant. „Echte Punks, die bereit wären, sich im Lagerfeld-Anzug ablichten zu lassen, haben bei mir große Chancen.“ Auch deswegen, weil Diana Briant Menschen, die als Außenseiter gelten, eine Möglichkeit geben will, „ihre oft knappen Geldbeutel etwas aufzubessern, ohne sich gleich verbiegen zu müssen.“

Die gelernte Arzthelferin weiß in etwa wie es ist, am Rande der Gesellschaft zu stehen. „Ich war lange Hartz-IV-Empfängerin“, sagt Briant. In dieser Zeit schärfte sich ihr Blick für gesellschaftliche Randfiguren. „Oft stellte ich mir dann vor, einen dieser Punks einfach mal in einen feinen Zwirn zu stecken.“ Das war im Oktober 2005, als ihr die Idee für die Außenseiter- Agentur kam. Testweise sprach Briant ungewöhnliche Menschen auf der Straße an, und fragte sie, ob sie sich eine Arbeit als Model vorstellen könnten. 70 von 100 wollten mitmachen. Im April 2006 – nach mehr als anderthalb Jahren Arbeitslosigkeit – gründete Briant ihre Agentur „Autseider“. Das Arbeitsamt half mit Aufbauhilfe von 207 Euro pro Monat. „Computer und Schreibtisch habe ich von zu Hause mitgenommen“, erzählt sie. Diana Briant verteilt Flyer an potenzielle Models, stellt sich Casting-Agenturen, Film- und Werbefirmen vor. Und sie hat Glück. „Nach den ersten Aufträgen sprach sich meine Firma schnell herum“, sagt Briant. Inzwischen umfasst ihre Datenbank mehr als 200 ungewöhnliche Gesichter. „Jeden Monat kommen zehn bis 50 Models dazu.“ Ihre „Autseider“ werden fürs Fernsehen gebucht, wo sie im „Tatort“, in Reportagen oder Magazinen mitwirken, spielen in Video-Clips, Werbespots und sogar Kinofilmen.

Dass Briant einen Sinn für ungewöhnliche Projekte besitzt, hat sie vor kurzem wieder bewiesen. Im Herbst produzierte sie einen Fotokalender, dessen Erlös einer Initiative gegen Kinderarmut zu Gute kommt. Ihre Models waren – Häftlinge aus Cottbus.

Agentur „Autseider“, Kuglerstraße 9, Prenzlauer Berg, Telefonnummer 50 366 631

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