Modemacher in Berlin : Eine Hose, so funktionell wie möglich

Zwei Unternehmer aus Berlin haben eine Hose hergestellt, die sehr schmutzunempfindlich ist. Um sie finanzieren zu können, haben sie ein Crowdfunding-Projekt gestartet. Ihr Ziel haben sie dabei erreicht, aber jetzt wollen sie mehr.

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Ohne Bank. Julian Kea ist einer der Macher der Chino Slik 17. Finanzierte wurde sie mit Crowdfunding. Foto: promo
Ohne Bank. Julian Kea ist einer der Macher der Chino Slik 17. Finanzierte wurde sie mit Crowdfunding. Foto: promo

Drei Szenen, ein Prinzip: Julian Kea sitzt auf einem beigen Sofa und kleckert. Erst schüttet er Wasser über seine Hose, danach Honig, und am Ende Ketchup. Er greift nach einem großen Schwamm, wischt ein, zwei Mal über den Fleck, und präsentiert am Ende das Ergebnis: Voilà, von dem Fauxpas fehlt jede Spur. Was der 35-Jährige uns damit sagen möchte? Dass er die perfekte Chino geschaffen hat.

Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Jörg Beckmann hat der Betriebwirt im Sommer 2011 den Plan gefasst, unempfindliche Hosen zu produzieren. Zu dem Zeitpunkt war Jörg Beckmann geschäftlich oft in Asien und ärgerte sich, wenn er seine Hosen im Hotel oder in einer Reinigung waschen lassen musste. Deswegen wollten die beiden Männer eine Chino entwerfen, die gut geschnitten – und vor allem praktisch ist.

Was die Besonderheiten der Hose sind

„Unsere Slik 17 ist einfach zu waschen, trocknet schnell und bleibt knitterfrei“, sagt Julian Kea. Das Material sei dabei ähnlich elastisch wie das einer Sportfunktionshose, aber sehe stylisch genug für den Park und das Büro aus. Ein auffälliges Aussehen war ihm und seinem Partner dabei nicht so wichtig. „Die Chino ist recht unspektakulär, hat keine Applikationen und ist nur in schwarz oder grau zu bekommen.“ Weil es außerdem keinen Extra-Schnitt für Frauen gebe, möchte das Duo vor allem Männer ansprechen. „Die universelle Hose für die Frau – das ist zu komplex“, sagt Julian Kea und lacht.

Das Geld wurde mit Crowdfunding gesammelt

Um die Chino produzieren zu können, finanzierten die Gründer ihre Idee über Crowfunding, dem Spendensammeln im Internet. Ihr Ziel war es, 100 Hosen herstellen zu können und dafür 9600 Euro zu sammeln. Als das Projekt am ersten November 2012 endete, zählten sie 12 968 Euro und 101 Spender, denen sie als Dankeschön ein Exemplar zugeschickten. Als Feedback bekamen sie Antworten wie „hat sich beim Festival prima bewährt“ oder „konnte auch dreisten Falafel-Attacken widerstehen“. Nun wollen Julian Kea und Jörg Beckmann mehr.

Im Frühjahr starten sie ein zweites Crowdfunding-Projekt, durch das sie einen Online-Shop und einen Popup-Store in Berlin eröffnen können. „Dort wollen wir dann für ein paar Tage 50 bis 100 Hosen anbieten und sehen, wie sie auf dem Markt ankommen“, sagt Julian Kea.

Mit dem Spendenportal im Netz haben sie dafür eine Geldquelle gefunden, die immer beliebter wird. Während darüber im ersten Quartal 2011 bundeweit 76 500 Euro eingesammelt worden sind, waren es im dritten Quartal 2013 schon weit über eine Millionen Euro. Weitere Modeprojekte aus Berlin sind zum Beispiel das Stilkollektiv Berlin, das eine Plattform für Nachwuchsdesigner gründen möchte, oder das Mykeiko-Label, bei dem zwei Berliner Unisex-Taschen herstellen und pro Verkaufsstück einem bedürftigen Kind eine Schultasche spenden wollen.

Ein Wunsch ihrer bisherigen Kunden

Soziales Engagement – auch bei den Machern der Slik 17 spielt dieses Verkaufsargument eine Rolle. Ihre Chino nähen drei Frauen in einer Kiez-Schneiderei in Neukölln. Sie schneiden den Stoff zu, nähen Taschenbeutel und Bundeinlagen an die Hose und befestigen die Reißverschlüsse und Knöpfe. Pro Woche haben sie während der ersten Produktionsphase drei bis vier Hosen hergestellt. Demnächst soll eine kleine Industrienäherei in Potdsam die Näherinnen unterstützen.

Eine Slik 17 soll online 149 Euro kosten. „Davon würden 70 Prozent die Produktion abdecken“. sagt Julian Kea. Den Rest des Geldes bräuchten sie für Marketing und Vertrieb. „Bei den ersten 100 Stück haben wir jede Hose selbst gebügelt und verpackt. Das werden wir in Zukunft nicht mehr schaffen.“ Immerhin ist das Projekt der perfekten Hose nicht ihr Hauptberuf. Der Betriebswirt aus Friedrichshain trainiert Menschen, die sich für einen Job bewerben oder selbstständig machen wollen. Jörg Beckmann sucht als gelernter Diplom-Kaufmann nach Lösungen, um Räume von Privatpersonen oder Unternehmen leise zu machen. Für die Slik 17 bleiben in einer Woche nicht mehr als eine Handvoll Stunden.

In einer Umfrage haben sie ihre Unterstützer vor kurzem gefragt, was sie sich noch wünschen würden. Ein Anliegen war die gleiche Hose für Kinder. Die Meister der Schmutzmalheure.

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