Modemarke im Visir : Vermummte werfen Steine auf umstrittenen Laden

Das Geschäft "Tönsberg" in Mitte wurde seit Eröffnung bereits zehn Mal attackiert Diesmal hatten es die Angreifer auch auf ein benachbartes Haus abgesehen.

Jörn Hasselmann

Mit einem Hagel von Pflastersteinen hat eine Gruppe Vermummter am Freitagabend den in der rechten Szene beliebten Laden „Tönsberg“ sowie ein weiteres Bekleidungsgeschäft in der Rosa-Luxemburg-Straße in Mitte angegriffen. Die Scheiben beider Läden, offenbar aus Panzerglas, hielten stand. Dagegen zerstörte ein vermutlich falsch geworfener Stein die Eingangstür eines Hörgeräteakustikers. Die Aktion gegen 19.30 Uhr soll keine Minute gedauert haben. Kurze Zeit später wurden eine 34-jährige Frau und ein 22-jähriger Mann festgenommen. Sie wurden erkennungsdienstlich behandelt und anschließend wieder entlassen. Gegen die beiden wird nun wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt.

Während die Polizei von zehn Randalierern sprach, kursiert in der Szene die Zahl von 50 Beteiligten. Der am 1. Februar eröffnete Laden in Mitte verkauft die in der rechten Szene beliebte Bekleidungsmarke „Thor Steinar“ – seitdem wurde der Laden etwa zehn Mal mit Farbbeuteln oder Steinen angegriffen. Wie berichtet, hat der Vermieter dem Tönsberg-Inhaber inzwischen gekündigt. Auf Einladung von Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) hatten am Donnerstag Politik und Anwohner über das weitere Vorgehen beraten.

Bei dem zweiten betroffenen Geschäft handelt es sich um den schräg gegenüberliegenden Bekleidungsladen „Häftling“. Dieser stößt in Teilen der linken Szene auf Protest, weil dort angeblich Waren verkauft werden, die von „ausgebeuteten“ Häftlingen produziert werden.

Seit einiger Zeit kursieren im Internet Aufrufe, die beiden Geschäfte in der Rosa-Luxemburg-Straße zu „besuchen“, also zu attackieren. Da die Polizei ihre Präsenz in Zivil deutlich verstärkt hat, konnten am Freitagabend – wie schon bei der Farbattacke zuvor – Täter festgenommen werden.

Zwei Stunden nach der Blitzattacke war auf der Internetseite „indymedia“, dem Zentralorgan der linken Szene, eine erste Schilderung der Angriffe nachzulesen. Von Besuchern der Seite wurden diese überwiegend als „super Aktion“ gelobt. Noch in der Nacht veröffentlichten die Inhaber des Ladens „Häftling“ eine Protestnote auf „indymedia“. Darin verwehren sie sich gegen die Gleichsetzung mit dem „Tönsberg“. Zudem stellten sie klar, dass nur 20 Prozent ihrer Artikel tatsächlich in Gefängnissen produziert werden. Wie berichtet, betonen Strafvollzugsexperten, dass Gefangene in der Regel über jeden Arbeitsplatz froh sind, der ihnen angeboten wird. Die Justizverwaltung will deshalb im geplanten Neubau in Großbeeren allen Gefangenen Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.

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