Berlin : Moderne Zeiten

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VON TAG ZU TAG

Andreas Conrad über den Ersatz

des Menschen durch die Automaten

Die Anfänge der Automatisierung im Bankenwesen? Man muss mindestens ins Jahr 1809 zurückgehen, als Napoleon gegen den Schachtürken des Ritters Wolfgang von Kempelen antrat, einen vermeintlichen Roboter, in dem ein spielkundiger Zwerg versteckt war. Egal, wer gewonnen hat: Hier etwa begann, noch als Lug und Trug, die Kapitulation des Menschen vor der Maschine, durch die er scheinbar mühelos zu ersetzen war.

Jetzt sind wir fast 200 Jahre weiter, und für die Abschaffung des Bankkassierers – übrigens auch das berufliche Aus für die Erben von Bonnie und Clyde – brauchen wir nicht mal mehr Zwerge. Dennoch bleibt verwunderlich, dass die Automatisierung menschlicher Funktionen noch immer nicht recht voranschreiten will und man sich die diesbezüglichen Erfindungen, nun, nicht an einer Hand, aber doch an zweien abzählen kann.

Gewiss, wir haben die automatische CityToilette, die sich selbstständig reinigt, desinfiziert, im unpassenden Moment auch öffnet, aber soll das alles gewesen sein? Warum beispielsweise gibt es noch keine Vorrichtungen für Hightech-Windeln, die sich vollautomatisch und geruchsdicht um einen Babypo schließen und so die mütterliche oder väterliche Hand entbehrlich machen? Oder, um im Feld der Nahrungsaufnahme und ihrer Folgen zu bleiben: Warum drehen sich die Fischhäppchen in Sushi-Bars immer nur im Kreis und werden nicht auf Knopfdruck mit eingebautem Lift erst auf Lippenhöhe gehoben, dann mittels einer Schiebevorrichtung in den geöffneten Mund geschoben? Gewiss, das wäre bei Chaplin geklaut, aber um solche Kleinigkeiten kann man sich wirklich nicht scheren, geht es nur weiter auf dem unaufhaltsamen Weg des Menschengeschlechts, sich selbst überflüssig zu machen.

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