Berlin : Modeschau: Auf dem Laufsteg wurde es erst spät bunt

Susanna Nieder

Vor 30 Jahren qualmten die coolsten Typen auf dem Schulhof Selbstgedrehte und schüttelten ab und zu die langen Strähnen. Wurde es für den Parka zu kalt, warfen sich die Wagemutigeren in Lammfellmäntel, die unbedingt abgeranzt auszusehen hatten. Heute muss man sich nicht mehr so anstrengen, es ist ja sowieso alles nur noch nachempfunden. Bei Donna Karan gibt es Lammfellmäntel, deren Oberfäche sorgfältig vorgeranzt ist. Sie gehören zu den auffälligeren Stücken ihrer aktuellen Kollektion.

In der Herbst-/Winter 2000-Broschüre ist ein Potpourri von Bildern aus Asien abgedruckt: satte Farben, Blumen, Muster. Dann kommt ein Bekenntnis zur Farbe Rot. Doch was die Models im Karan-Shop im Quartier 206 zunächst zeigten, war so schwarz, so schlicht, so schmucklos, als handele es sich um eine Zeitreise zurück in die 90er Jahre.

"Mit dieser Kollektion wollte ich etwas Vollständiges schaffen, zu dem jeder Saum, jedes Kostüm, jedes Accessoire beiträgt", schreibt Karan. Doch von den Inspirationen ihrer Asienreise, den Farben, den Düften und der Spiritualität, die sie beschreibt, war zumindest in den Kollektionsauszügen im Quartier 206 wenig zu spüren.

Dann kamen doch Farben auf den Laufsteg - violettes und rotes Leder, giftgrün und rot Plissiertes, leuchtend rote Kleider. Die größte Konzession an den Zeitgeist stellten drei paillettenbesetzte, transparente Abendkleider in Schwarz, Rot und Olivgrün dar. Accessoires waren extrem sparsam eingesetzt - keine Tasche, kein Schal, kein Schmuckstück, nur gelegentlich ein schmaler Gürtel. Interessant wirkten ein schulterfreies und ein tief ausgeschnittenes Kleid aus dunklem Tweed, dem Stoff des vernünftigen Landlebens und der Anglistikprofessoren, mit transparenten Pailletten zum Glitzern gebracht. In dieser Art hätte man gern mehr gesehen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar