• Mörder und Bankräuber: Ein Dutzend Zielfahnder sucht nach Spuren von Andreas Störzel

Berlin : Mörder und Bankräuber: Ein Dutzend Zielfahnder sucht nach Spuren von Andreas Störzel

Werner Schmidt

Mindestens ein Dutzend Zielfahnder des Landeskriminalamtes (LKA) sind derzeit hinter Andreas Störzel her - und wissen offenbar noch nicht, wo sie den mutmaßlichen Mörder und Bankräuber suchen sollen. Wahrscheinlich hat er Berlin bereits verlassen: "Wenn er schlau ist, ist er längst irgendwo im Ausland", sagte ein Ermittler. Aber wo kann sich der 38-Jährige verborgen halten? Vielleicht in Frankreich. Möglich - aber auch unwahrscheinlich.

Möglich, weil Störzel ordentlich Französisch spricht, unwahrscheinlich, weil er 1985 aus der Fremdenlegion desertiert ist. Die Fahnder zucken mit den Achseln: "Man kann nicht sagen, wo er sich jetzt aufhält". Das einzige, was sie angeblich sicher wissen ist, dass Störzel "mehr als gefährlich" ist, und rücksichtslos von seiner Waffe Gebrauch macht. Aufhalten könne er sich fast überall in Europa.

Störzel, ein ehemaliges Heimkind, das nach Auskunft eines Polizeibeamten aus einer Alkoholikerfamilie stammt, wurde von der Bundesrepublik 1985 aus der DDR freigekauft. Dort hatte er wegen eines Banküberfalls gesessen - und finanziert nun seinen Lebensunterhalt auch im vereinten Deutschland auf diese Art. Allein in Berlin soll Störzel dieses Jahr sechs Banküberfälle begangen haben: Am 1. Januar und am 2. Mai beraubte er die Volksbank an der Berliner Allee in Weißensee, am 26. Januar, am 8. Februar und 18. Mai überfiel er die Sparkasse am Südwestkorso in Wilmersdorf. Gesamtbeute: etwa 80 000 Mark.

Dazu kam am 30. Mai der Überfall auf die Volksbank an der Chausseestraße in Mitte. Die Beute betrug gut 30 000 Mark. In der Bank schoss Störzel auf die Panzerglasscheibe im Kassenbereich. Die Kripo schließt nicht aus, dass sich der Schuss versehentlich löste. Auf seiner Flucht stellten Passanten den Mann, woraufhin Störzel einem Verfolger die Pistole an den Kopf hielt und abdrückte. Glücklicherweise löste sich aber kein Schuss.

Vermutlich war es dieselbe Waffe, mit der Störzel am 26. Mai in Höhenschönhausen seine 23-jährige Ex-Freundin Doreen W. erschossen hat. Sicher ist dies bisher aber nicht, weil am Tatort weder Projektil noch Patronenhülse zum Vergleich gefunden wurden. Nachdem er der Frau bereits in den Kopf geschossen hatte, warf er der Sterbenden ein Bündel Geld vor die Füße - insgesamt 7000 Mark. Störzel konnte es nicht verwinden, wenn Frauen sich von ihm trennten, denen er durch seine Straftaten ein luxuriöses Leben finanziert hatte. Anfang der 90er Jahre war Störzel wegen Mordversuches an seiner damaligen Freundin verurteilt worden - auch sie hatte ihn seinerzeit verlassen.

Die Polizei weiß von dem Gesuchten, dass er ein gutes Leben liebt, sich vornehmlich in Hotels aufhält, sich mit dem Taxi chauffieren lässt und auch das Angebot von Bordellen nicht verschmäht. Nach Verbüßung seiner letzten Haftstrafe hatte die Justiz Störzel auf ein Pferdegut in der Uckermark geschickt. Auf diesem Resozialisierungsprojekt sollte er auf ein künftiges Leben in Freiheit vorbereitet werden, hieß es.

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